Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
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Gedanken und Stimmungen der Gegnerschaft gegen die Stadt und ihre Kultur, Empfindungen der Sehnsucht nach der Natur und ihrer Unmittelbarkeit, nach dem Zelte, das den Vätern, als sie Gott „in der Wüste nachgingen," in den Tagen der Offenbarung, ihr Haus gewesen war, schwangen darin mit. Es hat sicherlich auch nicht an Auseinandersetzungen gefehlt, in denen diese Extremen den anderen vorwarfen, daß sie mit dem Ideale nicht Ernst machten. Aber sie alle standen doch in derselben, der pharisäischen Richtung; durch die Energie der „Absonderung" wollten sie das Gebiet des Eigenen wahren. Die Auslese und der Wille zu ihr, die Absonderung, ist das bestimmende Element des Pharisäertums. Zu der Auslese kam aber, wie gesagt, der Konflikt. Es war zunächst der mit den Priestern und ihren Rechten und ihren Traditionen, der Konflikt zwischen Synagoge und Tempel. In Babylon war kein Zwiespalt gewesen, dort stand den Synagogen innerhalb der Gemeinde nichts gegenüber. Aber hier, in Palästina, stand der neue Tempel neben ihnen und über ihnen, und seine Priester waren vornan im Volke, auch deshalb schon, weil sie vor allem die Männer der Restauration des Staates und dann auch seiner erneuten Wiederherstellung gewesen waren. Der Konflikt mußte sich ergeben. Die zwei Formen des Gottesdienstes konnten nicht einfach nebeneinander sein. So sehr durch die Einrichtung der sogenannten Maamadot, der Anwesenheitsgruppen97) der Versuch gemacht wurde, die beiden in eine organische Verbindung zu bringen, das Volk neben die Priester zu stellen, es war doch nur eine innere Logik, daß der eine Gottesdienst die Bedeutung des anderen zurückzudrängen suchte, vor und über ihm sein wollte. Wenn die Pharisäer den Tempel auch anerkannten, denn von ihm sprach ja die Bibel, mit ihm war die Geschichte verknüpft, von der diese erzählte, wenn sie für seine Verteidigung auch Reihe in Reihe mit den Priestern standen, der Gegensatz konnte nie ausbleiben. Er mußte sich immer wieder daraus ergeben, daß sie beide, Tempel und Synagoge, ihre Stätte im Lande hatten und ihre Geltung forderten. Als die Männer der Synagoge stehen die Pharisäer den Männern des Tempels, den Sadducäern, gegenüber. Einen starken Bundesgenossen hatten allerdings dies.e Letzteren. Vom Tempel und von seinem Opfer sprach die Bibel, sprach besonders das Buch, das in ihr am meisten kanonisch war, die Thora, von den Gebeten sprach sie nicht. Das Gebet der Synagoge war so nicht „biblisch", nur das Opfer war es. Auf das Wort der Schrift 57