Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
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werden. Das Erfordernis der Übersetzung stellte sich ein, und alle Übersetzung ist eine Kommentierung, sie mußte es hier vor allem sein, wo der Inhalt zumeist so weit vom Alltäglichen war. Die Schrift begann der Schriftgelehrten zu bedürfen. Die Übersetzung, das Targum ist bereits der Midrasch; der der Halacha wie der Haggada ist in ihr schon vorhanden. Damit traten Aufgabe und Mittel einer steten Erneuerung in die Bibel ein. Targum und Midrasch haben es verhütet, daß sie im Sakralen erstarrte. Da sie zu der Sprache der Menschen hingeleitet werden sollte, mußte sie immer wieder innerlich erfaßt, immer wieder erworben werden; Ihr Inhalt konnte nie ein Fertiges, ein Abgeschlossenes sein. Das Erfordernis der mündlichen Lehre war also auch dadurch schon gegeben, daß die Sprache der Bibel die andere als die des Tages wari Auch dieses Weitere, was das Pharisäertum kennzeichnet, war so hier vorbereitet. Es ist eine neue Formung, welche derart das Judentum durch die Loslösung von seinem alten Boden, durch die neuen Lebensbedingungen und Lebensaufgaben, in die das Exil es hineinstellte; erfahren hat. Alles, was sich als Eigentümlichkeit des Pharisäertums gezeigt hatte, hat in diesem Neuen seine Voraussetzungen und gewinnt von ihm aus seine Richtung. Aber seine eigentliche historische Erscheinung, seine Gegenwärtigkeit hat es erst in Palästina. In Babylon hatte jene neue Gestaltung sich, soweit Wir zu erkennen vermögen, ohne wesentlichen Kampf, nur aus der inneren: Logik hervor, vollzogen. Hier ist sie darum ja auch in ihrem Eigenen sehr bald wieder stehen geblieben; sie ist lange hin arm an hervortretenden Männern gewesen. In Palästina dagegen stellte sich der Konflikt mit seinem Gebote der Auseinandersetzung sehr bald ein. Das Land der Väter wurde immer wieder ein Schlachtfeld im Ringen der Geister, wie in dem Streiten, in dem das Blut vergossen ward. Durch diesen, sich immer wiederholenden, Konflikt, der zum Kriege mehrmals geworden ist, ist das Pharisäertum gebildet worden, in ihm hat es sich entwickelt. In ihm hat es die wirksame Energie seiner Grundsätze, die Folgerichtigkeit und Beharrlichkeit seines Denkens gewonnen, in ihm die Mannigfaltigkeit seiner Ideen und seinen Reichtum an Persönlichkeiten erhalten. Das eigentliche Pharisäertum gehört zu Palästina und seiner besonderen Geschichte. Was Palästina vorerst fügte, war freilich weniger der Konflikt, als die Fortsetzung jener Auslese, die nur das Standhafte und 55