Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
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Zum ersten Male in der Geschichte hat sich hier eine eigentliche Gemeinde der Religion gebildet. Eine Gemeinschaft bestand hier ohne die Grundlage des ererbten Bodens, ohne den staatlichen Rückhalt, losgelöst .von dem, was sonst die Gegebenheit des Zusammenlebens ist und auch ihr es bisher gewesen war, in eine fremde Umgebung hineingestellt, und doch von der lebendigen Gewißheit der Aufgabe erfüllt, eine Gemeinschaft für sich bleiben zu sollen. Zum ersten Male haben sich hier Menschen außerhalb ihres Landes im Namen der Religion konstituiert. Wohl hat das Stammesbewußtsein mit der Fülle seiner Erinnerungen sich als ein Band, welches zusammenfügte, bewiesen, wohl haben die Hoffnungen auf eine Wiedergeburt des Volkes und eine Erneuerung des Staates alle Gedanken von dem Kommenden in die Idee von der Gesamtheit eingeordnet. Aber stärker wirksam als alles das, was so die Vergangenheit gab und die Zukunft zeigte, wurde doch in diesem Überrest, der die Katastrophe äußerlich überstanden und innerlich überwunden hatte, das, was unmittelbar die Gegenwart zusammenhielt, dieses Bewußtsein, um der Religion willen und durch sie unterschieden zu sein und zusammenzugehören. Schon die prophetischen Reden der Zeit, die jene Erinnerungen und Hoffnungen künden, lassen doch auch dieses erkennen. Eine Gemeinde des. Glaubens ist hier geworden und innerhalb ihrer die Gemeinden90). Sie gab das, was bisher und überall sonst nur durch staatliche und politische Verbundenheit gewährt war. Jene Aussonderung durch die . Auslese und die darauf sich' gründende Gemeinde des Judentums ist das erste und entscheidende Element des Pharisäertums. Der Universalismus, wie ihn die Propheten, vor allem der letzte große Prophet des Exils, ausgestaltet haben, war dadurch nicht beeinträchtigt. Im Gegenteil, auf dem festen Boden, den man sich nun bereitet hatte, gewann man den sicheren Standort für ihn und den weiten Horizont. Gerade die Gemeinde und ihre Gemeinden sind der Ausgang für die Mission und die Anziehung für die Proselyten geworden. Die Gemeinde der „Absonderung" ist die Gemeinde der Ausbreitung geworden. Diese Gemeinde hat sich sehr bald in ihren Gotteshäusern den sichtbaren Mittelpunkt, die Stätte religiösen Dienstes hingestellt, durch die allen den Ihren ihre Zusammengehörigkeit und die Getrenntheit von den anderen zum Ausdruck gebracht wurde. Durch das Gotteshaus hat die Gemeinde sich konstituiert. Sie hat damit die Zerstörung des Tempels innerlich, geistig überwunden, und sie //* 51