Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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Menschen vermochten dies, die der Eigenart ihrer Religion und der Auserwähltheit ihres Lebens so gewiß waren, daß diese Gewißheit ihnen stets die unbeugsame Kraft ihres Daseins und die unabänderliche Bürgschaft ihrer Zukunft sein konnte. Durch das große Gebot der Entscheidung zwischen Israel und Babel sind damals die Menschen gebildet worden, die dann später den Weg der Trennung mit Esra gingen, die die Schlachten der Makkabäer schlugen, die den beharrlichen Kampf gegen Rom führten, die auch, die zu Zeloten, wie die, die zu Essenern geworden sind. Die Auslese der Geschichte vollzog sich damals. •'1 Alle Auslese und Aussonderung führt im Geschichtlichen die, welche sie erfahren und bestehen und damit ihrer selbst bewußt werden, zu einer Absonderung. Die Notwendigkeit und ihr Gebot werden in den Willen aufgenommen. Die Erkenntnis der Eigenart wird eine Entscheidung zur Sonderart. So mußte es sich im babylonischen Exil vollziehen. Als man begriff, daß das Leben der eigenen Generation und wohl auch der nächsten hier münden werde, wurde es das Erfordernis der idealen Selbsterhaltung, sich sein eigenes Gebiet zu schaffen, um in ihm das eigene Leben zu haben. Inmitten alles dessen, womit die babylonische Kultur anzog, mußte man diese Besonderheit gestalten, um in einem Umkreise des Geschiedenen und Gesicherten sich zu erhalten. Aller Wille zu sich selbst gewann hiervon seine Aufgabe, alle Zukunftshoffnung hing davon ab, daß man eine Welt des Judentums umgrenzte und wahrte, daß man um seinetwillen inmitten der neuen Welt wie auf einer Insel zu leben entschlossen war. Die Getrenntheit, gewissermaßen die Verinselung, die Isolierung mußte zum Programm gemacht werden. Mit um so wirksamerer Kraft konnte dies geschehen, weil darin alles Trachten und Mühen, wenn es nicht nur dem Ich gelten sollte, jetzt sein einziges Ziel fand. Alles, was im alten Lande sonst Energien angelockt und angespannt hatte, alles Verlangen nach Geltung, alles staatliche Interesse, alles Politische und Parteimäßige fehlte hier. Der Wille, der sich bisher so oft nach außen hin ausgewirkt hatte, war nun, wenn er sich als Wille der Gesamtheit zu betätigen trachtete, nach innen gelenkt. In der Stärkung der religiösen Eigenart fand er sein Bereich, so oft er über den engen Tag und seine Sorgen hmauszudringen suchte. An die Stelle des Strebens nach Macht trat der Wille zur Kraft, die Intensivierung. 50