Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
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alten Rechte bleiben, die Verwaltung der Thora. So bietet sich hier diese neue Erscheinung, die des Mannes, dessen Aufgabe und Beruf es ist, sich der Thora zu widmen und sie zu lehren. In der Person Esras gewinnt sie zuerst ihre historische Gestalt; er ist der Priester und wird so auch genannt, aber die Wesentliche- Bezeichnung, die, welche ihn bestimmen soll, ist die des Sopher, des Ypa|jL|xa-£6c, des Schriftgelehrten76). Wie rasch dieser neue Typus sich durchsetzte, wird daraus ersichtlich, daß er uns im Buche Sirach bereits als ein bekannter mit diesem seinen Namen Sopher, Schriftgelehrter, fpa|j.jxaT£UQ und mit der Benennung seines Könnens, des finsDö, der fpammtzlu, der Schriftgelehrsamkeit begegnet, und daß das erste und zweite Makkabäerbuch schon von „den Schriftgelehrten" sprechen77). Und auch daraus scheint es sich zu erweisen, daß die Septuaginta diese Bezeichnung fpaji|xaxs6(;, Schriftgelehrter gebraucht, wenn sie obrigkeitliche Befugnis benennen will78). Auch das Wort Lehrhaus, Beth Hamidrasch, und das Wort Jeschiwa, Kreis der Lernenden, finden wir im Buche Sirach79) bereits; die vormakkabäische Zeit besaß so auch alles dieses schon. Aber auf dem Boden Palästinas mußte dies alles ein anderes sein, als es zunächst in Babylon gewesen war. Denn hier war der Tempel wieder errichtet, war der Opferdienst wieder durchgeführt worden. Damit hatten die Priester das ursprüngliche Gebiet ihrer Befugnis und ihres Vorzugs zurückgewonnen, und es war natürlich, daß hinter dieser wiedererlangten Aufgabe die andere, die der Darlegung der Thora, zurücktrat; sicherlich stand vor dem Volke nicht selten der Priester ohne Thora80). Aber es ist ebenso begreiflich, daß das Gebiet, welches mehr und mehr viele der Priester verlassen hatten, nun von anderen, von Nichtpriestern in Besitz genommen und auch ausdrücklich beansprucht wurde, so daß das Wort „Schriftgelehrter" schließlich nicht mehr den Priester, sondern einen bezeichnete, der neben ihm oder ihm gegenüber stand. Die Entwickelung ist deutlich zu verfolgen. Während im Buche Sirach noch gesagt werden konnte, daß Gott dem Priesterstande „seine Gebote anvertraut und Befugnis über Satzung und Recht gegeben, damit er in Jakob seine Zeugnisse lehrte und in seinem Gesetze Israel unterwiese"81), sagt schon das zweite Makkabäerbuch, daß „Gott allen das Erbe, das Königtum, die Priesterschaft und die Heiligung überliefert habe"82). Und mit ähnlichen, noch prägnanteren Worten, spricht dieses selbe die tannaitische Überlieferung aus, dort, wo sie das biblische Wort von „Anteil und Erbe" des Priesterstandes U7