Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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Hiermit stimmt es überein, daß die Mischna eine Reihe von Bestimmungen aufweist, die zum mindesten nicht freundlich gegen die besonderen Rechte des Priestertums erscheinen, indem sie manche Ansprüche, die den Priestern zustehen könnten, dem Volke zuerkennen, daß des ferneren aus tannaitischer Zeit uns harte Worte gegen die vornehmen Priesterfamilien und ihre Forderungen überliefert sind73), oder daß es mit Bezug auf den Priestersegen betont wird, daß „der Segen nicht von den Priestern abhängt," daß „die Priester nicht sagen dürfen: wir segnen Israel"74). Und wiederum spricht dagegen auch nicht die Tatsache, daß unter den Pharisäern in der Zeit des Tempels Männer führend waren, die dem Priesterstande zugehörten, wie der erwähnte Jose ben Joeser, der „Fromme in der Priesterschaft", wie Chananja, der, wohl letzte, „Vorsteher der Priester", und vielleicht auch Jochanan ben Sakkai. Ein Widerspruch ist darin ebensowenig zu finden, wie darin, daß im alten Rom in dem Kampfe der Patrizier und Plebejer Männer des Patriziats die Plebejer zum Siege geführt haben. Als Aveiteres Kennzeichen dessen, was die Pharisäer im Volke bedeuteten, ergäbe sich demnach, daß sie neben oder auch über den Gottesdienst im Tempel, dessen Verrichtung den Priestern vorbehalten war, den Gottesdienst stellten, den das ganze Volk, in seinen Synagogen durch das Gebet und die Beschäftigung mit der Bibel üben konnte. Insofern dürften sie als die der Sonderstellung und dem Adel der Priester entgegentretende Volkspartei bezeichnet werden, der darum als eigentlichster Gegner die Priesteraristokratie der Zadokiten gegenüberstand. Fast noch mehr als durch diesen Anspruch, der ihnen das Privileg des Gottesdienstes entziehen wollte, wurde die Stellung der Priester durch ein weiteres beeinträchtigt, das die der Männer der Synagoge nach und nach für sich in Besitz nahmen, durch die Befugnis der Darbietung des Gesetzes. Im Deuteronomium war das Rechtsprechen in erster Reihe dem Priester zuerkannt, ganz wie das Priestergesetz ihm die Entscheidung über rein und unrein zuwies. Er tritt uns denn auch in der vor exilischen wie der nach exilischen Zeit als der entgegen, dem die Thora anvertraut ist, „von dessen Mund man Thora sucht"75). Noch in Esra sehen wir den Priester vor uns, der die Thora lehrt und auf sie verpflichtet. Aber in ihm zeigt sich auch schon ein anderes, ein Neues, das durch das babylonische Exil gebracht worden war. Hier im Exil war den Priestern der erste und eigentliche Bezirk ihres Amtes, die Verwaltung des Opferdienstes, verschlossen. Ihnen konnte so hier nur eines aus ihrem 46