Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
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Stellen dasselbe Wort „Genauigkeit" ax.pißsia in seinen mannigfaltigen Formen gebraucht wird. Es entspricht, in dem, was es zum Ausdruck bringen will, ungefähr dem hebräischen Em und ttnia bzw. und Tia^n in der Bedeutung, die diese Begriffe in jener Zeit hatten39). Die, welche jene Satzungen lehrten, waren in der Tat Männer dieser Genauigkeit, dieser dxpißsta, dieses l?na; sie haben dem Worte und vor allem dem Gesetze der Bibel seine ganze Genauigkeit, seinen ganzen Sinn zu geben gesucht. So war es schon an Esra mit unserem Terminus tt>*n und mit Wendungen, die fast denen des Josephus entsprechen, gerühmt worden, daß er es sich zur Aufgabe gemacht hatte, das „Gesetz des Ewigen zu erforschen und zu befolgen und in Israel Satzung und Recht zu lehren"60). Es ist kein Zufall, daß zuerst von Esra dies ausgesagt wird; denn mit ihm hebt in Palästina eine Entwickelung an, die sich in Babylon schon vorbereitet und durchgesetzt hatte. Seit dem Babylonischen- Exil tritt neben den Opferdienst, der in seiner historischen Bedeutung bleibt, zunächst in Babylon und danach in Palästina, der neue Gottesdienst, den das Gebet, die Vorlesung aus der Heiligen Schrift und, als ein durch sie notwendig Gegebenes, die Erklärung der Schrift ausmachen; die Synagoge, die ihn bietet, tritt neben den Tempel, die Stätte des Opfers. Schon in der Zeit, in der der zweite Tempel noch stand, galt er als ein so Selbstverständliches, als etwas, was so wenig aus dem Leben des Volkes fortgedacht werden konnte, daß man ihn in seinem Wesentlichen bis zu den Anfängen der israelitischen Religion zurückführte61). Nicht nur in der östlichen und westlichen Diaspora, sondern auch in Palästina vor allem, dem Lande des Tempels, befanden sich neben ihm, dem alten Mittelpunkte des Kultus, die zahlreichen Stätten, welche Mittelpunkte dieses neuen Kultus waren. Schon der Dichter des vierundsiebenzigsten Psalms, der wohl aus den Tagen des Makkabäerkampfes stammt, hatte das „Heiligtum Gottes, die Wohnung seines Namens" und die „Gottesstätten der Versammlung im Lande" nebeneinander gestellt. Es war ein Nebeneinander,* das in ruhigen Zeiten ein solches bleiben konnte, um so mehr, da der Tempel ein Wesentliches des Neuen, das Gebet, in seinen Kultus aufgenommen hatte62). Aber in bewegten Zeiten mußte es zum Gegeneinander werden. Die Frage mußte sich nämlich früher oder später einstellen, -vvo das eigentliche religiöse Zentrum des Volkes zu finden wäre, wo also der Gottesdienst seine eigentliche Stätte hätte, ob im Tempel