Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
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■»verden, den er ihnen anlegt51). Und ein Ähnliches ist gegenüber den Sätzen des Talmud zu beachten. Für ihn tritt das Halachische in den Vordergrund, auch in den der geschichtlichen Besonderheit, so daß selbst in die Geschichte Abrahams halachische Fragen hineingeführt werden. So sind für ihn die Gegensätze zwischen den Pharisäern und ihren Gegnern nur halachischer Art. Wenn das, was tatsächlich trennte, festgestellt werden soll, muß von einem Zwiefachen ausgegangen werden. Das erstere ist folgendes: Es ist nicht zu bezweifeln, daß, was die Pharisäer von den Sadducäern schied, zunächst das war, was Josephus in einem tendenzfreien, -nicht vorerst auf die griechischen und römischen Leser berechneten, Berichte erzählt, dort, wo er darstellt wie jener Gegensatz sich zum ersten Male im Politischen, in einem Kampfe um die Macht auswirkte. Er sagt dort: „Die Pharisäer lehren das Volk auf Grund von Tradition manche Satzungen, die in dem Gesetze des Moses nicht aufgezeichnet sind. Und deswegen verwirft dieselben die Partei der Sadducäer, indem sie erklärt, es sei notwendig, jene geschriebenen als Satzungen anzusehen, aber die auf Grund der Lehre der Väter gelehrten nicht zu üben"52). Dementsprechend erzählt denn Josephus ebendort, daß Johannes Hyrkanos, als er sich von den Pharisäern abwandte und sich den Sadducäern anschloß, „die von ihnen im Volke eingeführten Satzungen aufhob und die, welche sie beobachteten, bestrafte"53). Hier ist also ausdrücklich als der Gegensatz zwischen Pharisäern und Sadducäern, als das, um wieder Josephus sprechen zu lassen, „in betreff dessen sich ihnen große Streitfragen und Unterschiede ergaben," die Frage der Geltung der nicht in der Thora enthaltenen, überlieferten Satzungen hingestellt, also der Geltung dessen, was die hebräischen Quellen als „die Worte der Sopherim" oder „der Worte der Weisen" bezeichnen. An denen, die diese Satzungen lehrten, hebt Josephus dann des weiteren in gelegentlichen, absichtslosen Sätzen ein Bestimmtes hervor. Er sagt von ihnen, daß „sie eine hohe Ansicht von der genauen Erforschung des von den Vätern ererbten Gesetzes hatten"54), daß .„sie die Gesetze genauer erklärten"55), daß sie „als die galten, die sich durch Genauigkeit mit Bezug auf die von den Vätern ererbten Satzungen vor den andern hervortun"56), „als die, die mit Genauigkeit die Satzungen darlegen"57). Ein Ähnliches rühmt, in der Apostelgeschichte Paulus von sich, er sei „zu den Füßen Gamliels unterwiesen worden gemäß einer Genauigkeit des von den Vätern ererbten Gesetzes"58). Charakteristisch ist es, daß an allen diesen 42