Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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schien. Sie ist also aus ähnlichen Gründen hervorgegangen wie die der „Asidäer". Aber während diese für die Freiheit der Religion gegen deren Bedrohung durah einen Fremdherrscher und seine Genossen aus dem eigenen Volke den Krieg geführt hatten, hat das Pharisäertum sich gegen eine Beeinträchtigung dessen, was als Ideal jüdischer Gemeinschaft erschien, gerichtet. Die Religion selbst war nicht mehr in Gefahr, auch in der Zeit der letzten Hasmonäerfürsten nicht und auch nicht in der des Herodes und der römischen Prokuratoren. Nur der strengen Wahrung der jüdischen Gemeinde in ihrer Reinheit und Geschlossenheit galten der Kampf und die Mühe; das trennende und schützende Gehege, das die Religion umgab, den „sejog Iatora" galt es zu errichten und zu verteidigen. Nicht mit Unrecht hat das Pharisäertum, als es die Geschichte seiner Tradition darlegen wollte, diese entscheidende Aufgabe an seinen Anfang gesetzt. Weniger also um eine Partei, wie moderne Geschichtsschreibung es oft will, und nicht auch eigentlich um eine Schule oder Sekte, wie Josephus seinen griechischen und römischen Lesern zuliebe sagte, — obwohl jede Bewegung auch ihr Parteimäßiges und ihr Schulmäßiges hat — sondern eben um eine Bewegung im jüdischen Volke handelt es sich hier. Wie der Name, den sie trägt, der der Peruschim, so gewinnt auch alles, was nach der einen oder anderen Richtung sich aus ihr ergab, daran seine Erklärung. Sie konnte, und mußte vielleicht bisweilen, wie in der Zeit des Alexander Jannai und der römischen Verwaltung zum Zelotentum werden, das die Absonderung mit der Gewalt durchsetzen wollte. Sie konnte und mußte bisweilen, in Zeiten des Unglücks, zum Asketentum werden, das sich durch die Energie der Entsagung die Exklusivität bereiten wollte50). Sie konnte und mußte dann auch zum Essenertum werden, das die Absonderung besitzen wollte durch die Trennung, welche die Einsamkeit gab. Zu dem Problem des Namens tritt das der Stellung der Pharisäer im Volksganzen. Auch hier bieten sich zwei Quellen, die Zeugnisse des Josephus und die der Tannaiten. Die Sätze der Evangelien, die von den Pharisäern sprechen, sind nicht historisch zu bewerten; in ihnen wird dieses Wort nicht in seiner geschichtlichen Bedeutung, sondern nur als Mittel einer polemischen Tendenz verwendet. Aber auch gegenüber dem, was Josephus schreibt, ist zu berücksichtigen, für wen er schreiben will; um die Pharisäer, die er darstellt, zu erkennen, muß ihnen der Philosophenmantel abgenommen Ul