Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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an die christlichen Gemeinden Palästinas überhaupt zu denken, so daß also die Bewohner des Heiligen Landes auch hier, ähnlich wie es mit Bezug auf die Pharisäer gesagt sein konnte, die Heiligen im besonderen Sinne hießen. Der Name Pharisäer erhält so seine genaueren Umrisse. Wenn das, was er bezeichnet, nun zu der erwähnten Überlieferung in Beziehung gesetzt wird, die davon spricht, daß die Länder der Völker für unrein erklärt wurden, so kann er auch eine geschichtliche Einordnung erfahren. Sie ergibt sich hieraus um so mehr, wenn die Doppeltheit der Überlieferung auf ein zweifaches Vorkommnis zurückgeführt wird, darauf also, daß zweimal eine solche Verordnung erlassen worden ist. Das erstemal wäre dieselbe demnach in der Zeit des Jose ben Joeser und des Jose ben Jochanan ergangen", d. h. in der Zeit, in der die Politik der Hasmonäerfürsten über die Grenzen Palästinas hinauszuschreiten und hinauszuschauen begonnen hatte. Damit stimmt es auch überein, daß in der Darstellung des Josephus Name und Meinung der Pharisäer uns zum ersten Male in der Zeit des Jonathan und dann vor allem, was durch eine talmudische Tradition im wesentlichen bestätigt wird, in der des Johannes Hyrkanos entgegentreten45), in dieser Zeit, in die zudem eine ausdrückliche Datierung des palästinensischen Talmud unsere beiden Lehrer ansetzt46). Damals war infolge der Erweiterung des Gebietes des jüdischen" Reiches, vielleicht auch infolge der Anwerbung eines Söldnerheeres die Frage der Trennung von den Völkern dringend geworden47). Ebenso fügt es sich zusammen, daß Josephus die Pharisäer dann wiederum in der Zeit des Herodes hervortreten läßt48), also in der Zeit, achtzig Jahre vor der Zerstörung des Tempels, in welche jene zweite Verordnung über die Länder der Völker fällt. Damals war durch die neue Ausdehnung des Landes das Problem der Absonderung von neuem zur Sorge geworden. Und darum ist es auch wieder kein Zufälliges oder Gelegentliches im Nebeneinander der Erzählung, wenn Josephus zum letzten Male die Pharisäer dort in seine Geschichte einweist, wo er die Umwandelung des jüdischen Landes in eine römische Provinz schildert49), das Ereignis also, das jener Frage die ganz besondere Schärfe gab. Das Pharisäertum bedeutet demnach eine Bewegung, die auf die Absonderung von den Völkern und die dadurch gegebene Heiligkeit hinwirkte, und die hervortrat und sich erneuerte, wenn die Politik oder das Geschick des Landes zu entgegengesetzten Wegen hinzuleiten 40