Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1927-01-01 · 1927 · page 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1927
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 38)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2273546-2273633--2134-2275933
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

von den Völkern und ihren Greueln"20). Ebenso ist im Siphra zu dem Gebote: „Ihr sollt euch heiligen und heilig sein" bemerkt: „das meint zuerst die Heiligung, die in der Absonderung von den Heiden besteht"27). Ebendort wird an den bereits erwähnten Satz, „wie ich parusch bin, so sollt ihr peruschim sein", der weitere angeschlossen: „AVenn ihr von den Völkern getrennt seid, dann gehört ihr zu mir; wenn nicht, so gehört ihr zu Nebukadnezar, dem König von Babel, und seinen Genossen"28). Und ein gleiches ist in der Mechilta des Simon ben Jochai überliefert: „Nur, wenn ihr euch von den Völkern scheidet, seid ihr mein"29). Es ist selbstverständlich, daß auch damals dem Begriffe der Heiligkeit nicht nur der Inhalt der Exklusivität gegeben worden ist; zu dieser mehr negativen Bestimmung trat auch eine positivere. So ist im Siphra neben den Satz: „ihr sollt euch heiligen und heilig sein — das meint zuerst die Heiligung, die in der Absonderung von den Heiden besteht," der andere gesetzt: „ihr sollt heilig sein — das bedeutet die Heiligung, die in der Übung aller Gebote besteht"30). Ebenso im Siphre: „Ihr sollt eurem Gotte heilig sein — dies meint «die Heiligung durch die Übung aller Gebote"31) und wieder, nur ^erweiternd und begründend, in der Mechilta des Rabbi Simon: „Ein heiliges Volk bist du dem Ewigen, deinem Gotte, darunter ist die Heiligung durch die Gebote verstanden; denn wenn Gott Israel ein weiteres Gebot gibt, so gibt er ihm weitere Heiligung"32). Aber wenn auch dies alles so die Eigenschaft erklärte, die dem Einzelnen durch das Wort „heilig" beigelegt wurde33), die bestimmte Benennung, die in diesem Worte gegeben war, die Benennung der Gemeinde, meinte jenes andere, die Absonderung von den Völkern. Durch sie wird die Gemeinde zur Gemeinde der „Heiligen", der peruschim, also zur eigentlichen „Gemeinde"34). So ergibt sich, daß in dem Namen „Pharisäer" das bezeichnet ist, was der „Gemeinde" des Judentums damals als Gebot ihrer Selbsterhaltung erschien, die Heiligkeit der Exklusivität, und daß diese Exklusivität die gegenüber den „Völkern" ist. Als Forderung und Aufgabe ist so im Grunde das darin enthalten, was durch den Gedanken der Auserwählung als geschichtliche Tatsache hingestellt ist. Aber es scheint, daß in unserem Worte ein weiteres noch mitspricht. Das Gebot der Absonderung und der durch sie bedingten Heiligkeit gilt nämlich grundsätzlich zwar für alle, also auch für die Diaspora; so rühmt es Josephus, daß die Diadochen den Juden Alexandrias ein eigenes Stadtviertel absonderten, „damit sie ihre 38

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.