Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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ergibt sich, daß unser Wort peruschim damals die Eigenschaft und Forderung der Heiligkeit ausdrückte, und daß es daher, als Benennung einer Gemeinschaft von Juden, zum mindesten von einer Zeit an — denn die Möglichkeit, daß zunächst Gegner es ironisch gebraucht haben, ist hierdurch nicht ausgeschlossen — das Ideal, das Persönlichkeits- oder das Volksideal, bezeichnet hat, in dem einige oder viele das Ziel ihrer Richtung sahen. Wenn derart die Eigenschaft „peruschim" für die Eigenschaft „Heilige" gesetzt ist, so tritt sie damit in einen bestimmten, geschichtlichen Zusammenhang. Denn die Benennung die „Heiligen" ist ein seit der makkabäischen Zeit gebrauchter Ehrenname für die Gemeinde des Judentums. Das Buch Daniel hat dieses Wort, das bis dahin, auch noch im Buche Secharja und in den Sprüchen des Josua ben Sirach wie auch noch im Buche Daniel selbst, die Heerscharen des Himmels bezeichnet hatte19), der Gemeinde der Juden, die ihrem Gotte treu blieb, beigelegt20). Diese Bedeutung hat es, wie Sätze aus dem ersten Makkabäerbuch, dem Buche Tobit und der Weisheit Salomos zeigen21), in der folgenden Zeit bewahrt. Im neutes tarnen tlichen Schrifttum und besonders in den paulinischen Briefen, wird es dann, dem gemäß, daß die neue Gemeinschaft die Ehrennamen der alten für sich in Anspruch nimmt, der Name der christlichen Gemeinde22). Dem Sinne nach ist es in allen diesen Stellen gleichbedeutend mit dem Worte Gemeinde, szx7orjoia; der Satz z. B. aus der Apostelgeschichte, von der W undertat des Petrus an der Tabita: „Er rief die Heiligen herbei"23), bedeutet nichts anderes als: Er rief die Gemeinde herbei. Die „Heiligen" sind die „Gemeinde", die ecclesia, die schon das Buch Sirach den „Völkern", den Heiden gegenübergestellt hatte21). Die Heiligkeit, die das W'esenszeichen der peruschim, der „Gemeinde" ist, stellt sich uns in den alten Zeugnissen in der Tat als ein solcher Gegensatz dar; sie ist hier die Geschiedenheit von den Völkern, und insofern bietet sich ein innerer Zusammenhang mit den „Nibdalim" dar. Schon im ersten Makkabäerbuche erscheint diese Geschiedenheit als das Programm der Gemeinde25), das die Gegner ihr als den Grund alles Unheils vorwerfen. Und ebenso finden wir es in den tannaitischen Midraschim, daß sie diese Absonderung darstellt, durch welche die peruschim abgesondert sind. So fügt die Mechilta des Rabbi Ismael zu dem Satze „Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk" erläuternd hinzu: „heilig und geheiligt, das will sagen: abgesondert, peruschim, 37