Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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seinem Anhang absonderten, also Separatisten wurden, oder aber deshalb, weil sie damals aus dem Synhedrium ausgeschlossen wurden, also die Abgesonderten, die Ausgewiesenen nun waren. Zu einem von allen anderen verschiedenen Ergebnisse gelangt Leszynsky11). Er faßt das Zeitwort, das dem Namen zugrunde liegt, nicht, wie alle die anderen, in der Bedeutung „absondern" auf, sondern in der anderen, die ihm ebenfalls zukommt, in der Bedeutung „erklären", und für ihn sind die Pharisäer demgemäß die Schriftgelehrten, d. h. die, deren Aufgabe und Tätigkeit es war, die Heilige Schrift zu erklären. Keine Bestimmung des Namens Pharisäer hat sich demnach so weit durchsetzen können, wie die von Geiger15) zuerst aufgezeigte des Namens ihrer Gegner, der Sadducäer, als der Zadokiten, der Nachkommen Zadoks. Es ist begreiflich; denn hier liegt nicht, wie dort, ein Eigenname zugrunde, für den nur der historische Ort festzustellen ist, sondern ein Zeitwort, unter dessen mannigfaltigen Bedeutungen und Beziehungen die zutreffende erkannt werden soll. Wenn dies bisher nicht zur Genüge erreicht wurde, so ist der Grund vielleicht darin zu finden, daß die Quellen, die in Betracht kommen, nicht genügend erschlossen worden sind. Neben Josephus und dem Neuen Testament und, für die Ursprünge, den Büchern Esra und Nehemia und den Büchern der Makkabäer ist hier eigentlich nur die Mischna16) und mit ihr die Tosephta bzw. die Gemara berücksichtigt worden. Dagegen sind die für das Denken und die Sprache der Zeit so wichtigen tannaitischen Midraschim und die ihnen parallelen haggadischen Überlieferungen im großen und ganzen außer Betracht geblieben. Aber gerade sie weisen einen Weg zum Verständnis des Namens Pharisäer auf. In ihnen zeigt sich zunächst eines. Im Siphra, dem alten Midrasch der Schule Akibas zu Levitikus, der uns einen Überlieferungsstoff bietet, der zum Teil so alt ist und noch älter als die Schriften des Josephus, dient das Wort parusch „abgesondert" als erläuternde Wiedergabe des biblischen Wortes kadosch „heilig". Der bekannte Satz „ihr sollt heilig sein" wird übertragen in den Satz: „seid peruschim"17). Auch wo die Heiligkeit von Gott ausgesagt ist, wird dieses neue Wort gebraucht. Es wird gesagt, daß Gott spreche: „Wie ich parusch bin, so sollt ihr peruschim sein"18). Diese Sätze sind ohne Nennung des Autors tradiert, sie sind anonyme Haggada, was jedenfalls auf einen frühen Ursprung hinweist. Aus ihnen 36