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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1927-01-01 · 1927 · page 31

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1927
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273633--2127-2275926
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Lande, aus anderen Kulturbeziehungen, aus anderen Richtungen des Lebens. Aber er war mehr als alles das. Sein Bezirk und seine Richtung war er selbst. Er hatte sein Gebiet sich selbst geschaffen. Wo immer er war, dort war seine Welt. Soviel er von der Art seiner Heimat hierher mitgebracht hatte, so sehr er hier der ungarische Jude mit vielem, was ihm eignet, blieb, mit all der Bewegtheit, mit all dem Temperament, mit dem drängenden Pathos der Rede, mit so manchem von dem, worin Kompert in einer seiner Novellen den Juden Ungarns gezeichnet hat, das Entscheidende, das, was den bestimmenden Eindruck gab, war doch das alles nicht. Das Charakteristische und Lebendige war die Persönlichkeit. Stärker als alle Eigenarten war seine Eigenart. Auch in der Wissenschaft trat sein Ich an alles heran, bisweilen streitbar, cum ira et studio, allerdings aus einer weitreichenden Sachkunde hervor, die ihm solches Recht gewährte. Besonders dem Historiker hat das den Standpunkt gegeben, er hat die Geschichte aus der Gegenwart verstanden. Dadurch nicht zum mindesten hat er seine Schüler erfaßt. In aller wissenschaftlichen Arbeit blieb er der Mensch der Wissenschaft. In der Ausdehnung seines Horizonts, in dem Universalismus seines Wissens und Könnens — ein Lehrauftrag, der heute dreien die Fülle der Mühe und der Pflicht bedeutet, war ihm anvertraut, und er ist ihm gerecht geworden — ist er doch nie ein bloßer Polyhystor geworden, sein Eignes hat er nie darin verloren oder gemindert. Er ist nie der Mann, aus dem nur Männer seiner Wissenschaft sprechen, geworden. Er selbst war es immer, der sprach. Seine Wissenschaft hat er nicht nur betrieben, er eiferte für sie; auch sein Fleiß hatte darum oft das verzehrende Ungestüm. Für ihn war Wissenschaft, zumal Wissenschaft vom Judentum, Frömmigkeit, auch mit all ihrer Askese; der Weg zu ihr bedeutete ihm einen Weg ins Heiligtum. Als ein wahrhaft frommer Mensch hat er ihr gedient. Das wohl vor allem hat ihm die geistige Freiheit, die Unvoreingenommen!] eit und Unbeirrtheit in seinem Forschen und Suchen gegeben. Er besaß die sichere Selbständigkeit des innerlich gefestigten Menschen, und er war so dafür geschaffen, der Wissenschaft vom Judentum in der neuen Zeit Aufgabe und Richtung bestimmen zu helfen. Auch vor ihr stand das Gebot der Emanzipation, der äußeren wie der inneren, von ihr beansprucht und sie beanspruchend. Jene neue Einstellung, welche die Zeit der Revolution vom Juden verlangte, war auch von ihr gefordert. Auch sie 31

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