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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1927-01-01 · 1927 · page 32

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1927
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273633--2128-2275927
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hatte sich mit dem neuen Prinzip auseinanderzusetzen; auch sie und -die Männer, die sie pflegten, mußten zu der großen Umwelt hingelangen. Martin Schreiner hat dies erkannt, und auch er ist diese Bahn gegangen. Er hat das Judentum und seine Geschichte in •die Geschichte aller Religionen und Weltanschauungen hineingestellt, und gerade dadurch ist er des Besonderen des Judentums, seines Geistes und seines Platzes, um so bestimmter und inniger bewußt geworden, so daß er mit eigenen Gedanken an die Gedanken der anderen herantreten konnte. Aus dem Eigenen hervor hat er die Geschichte verstanden und in das Eigene sie aufgenommen; dadurch hat er die Gegenwart des Eigenen und seine Richtung zur Zukunft begriffen. Auch er ist so in dem Werden des neuen Prinzips, in dem Ringen und Streben einer Zeit ein Führer geworden. Sein Weg begegnet sich mit dem der anderen Männer, deren wir gedacht haben. In den Kampf, in dem sie standen und in dem sie ihre Besonderheit erlebten, sind Avir alle auch hineingestellt. Nur zu oft empfinden wir seine Forderungen und seine Mühe. Auch das erfahren wir, wTie das Moralische, das sich in ruhigen Tagen „von selbst versteht", in bewegter, in revolutionärer Zeit zum Problem und dadurch für jeden zu seiner persönlichen Aufgabe wird. Aber es ist doch ein Gut, das uns in diesem Gebot, zu kämpfen, gegeben ist. Wir müssen kämpfend unseres Selbsts immer wieder gewiß werden, aber darin dürfen wir doch unsere Seele immer wieder gewinnen. Uns ist es so gewährt. Es ist so vielleicht ein besseres Teil, als der Anteil derer, denen die Mehrheit, zu der sie gehören, oder die Macht, über die sie verfügen, von vornherein eine Überzeugung vom Eigenen schenkt, und auch als der Anteil derer, die im Abseitigen bleiben und darin ihr Eigenes haben wollen. Vor unserem Besitz steht immer der Erwerb, der Kampf. Und er gilt zugleich dem, was in einem langen Werden, in einer geistigen Revolution sich gestaltet hat, dem neuen Prinzip, diesem Anspruch und Gebot, das eigene Antlitz, die Züge des eigenen Stils zu tragen und durch dieses Eigene in das große Ganze, dem wir zugehören, das Beste hineinzuführen. Die Männer, deren wir heute gedenken, haben zu ihrem Teile es so gewollt und so vollbracht. Ihre Zeit schaut aus ihnen uns an. Wir dürfen voller Dankbarkeit zu ihnen hinblicken. 32

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