Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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vor dem Erbe haben seiner Art den Ton gegeben. Daraus hervor hat er auch die treue Verbindung mit unserer Hochschule empfangen und bewahrt. Sie war ihm zumeist von der Mutter her hinterlassen und anvertraut. So bedeutungsvoll sein Vater für unsere Anstalt, an deren entscheidendem Beginne er stand, gewesen ist, die noch persönlicheren Züge in der Geschichte unserer Hochschule zeigt seine Mutter. Und auch seine Gattin, die ihm allzu früh entrissene, auch sie das Kind eines Hauses der Vornehmheit, hatte das eigene Antlitz mit dem eigenen Ausdruck auch der jüdischen Seele. Es ist wie ein Gepräge im Leben von Paul Meyer, daß ein Weibliches, das der Mutter und dann der Frau, die Weise seines Daseins umzeichnet hat. Auch ihm ist in unserer Geschichte der Auseinandersetzung mit dem Staate und des Eintretens in das neue Prinzip ein Weg bestimmt gewesen. In der Rangordnung der Beamten in unserem Lande hat er einen Platz erreicht, zu dem vor ihm aus dem Kreise der preußischen Juden keiner gelangt war, und er hat es verstanden, seinem Amte persönliche Bedeutung zu geben durch das, was er leistete, wie durch das, was er zu sein wußte. Etwas von der eigenen Vornehmheit und Würde hat er seiner Stellung, die die Zeit zu einer besonderen gemacht hatte, zu gewähren vermocht. Auch durch ihn, weil er es inne hatte, bedeutete sein Amt mehr, als es an sich war. In einem kommt er so auf seinem Wege mit den beiden anderen Männern zusammen. In dem Kampfe um die Gleichheit des Rechts und um die Freiheit des Eigenen war es der erste und der edelste Weg gewesen, die eigene Persönlichkeit darzubieten, sie für den Anspruch, der erhoben wurde, einstehen zu lassen. Die eigene Makellosigkeit und Unantastbarkeit, der immer bereite Gemeinsinn, der Opferwille und die Hingabe an das große Ganze traten vor alle hin und wollten allen voran sein; sie taten dar, wer der Mensch des Judentums ist. Sie wollten die Bahn brechen. In diesem Betracht ist auch Paul Meyer ein Vorkämpfer gewesen. Auch er, der Ruhige, Gemessene, steht mit seiner Art in jenem großen Ringen für sich und um sich selbst, in dem die Juden des Jahrhunderts den neuen Boden gewannen. Wenn nun unser Blick sich auf den Letzten, dem diese Stunde gilt, den Letzten, nicht den Geringsten, auf Martin Schreiner richtet, so öffnet sich uns ein anderer Bereich. Martin Schreiner ist vielfach verschieden von den Persönlichkeiten, denen sich unsere Dankbarkeit zunächst zugewandt hatte. Er stammte aus anderem 30