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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1927-01-01 · 1927 · page 28

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1927
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273633--2124-2275923
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Kaufmannschaft geführt, aber aus dem Vaterhause hat er in sieeines wohl vor allem mitgenommen: die Ehrfurcht vor der Wissenschaft und dem Geistigen, vor dem, was über allem Erwerbe steht. In diesem besten Sinne, der der Bildung zukommt, des Respektes vor dem Geiste, hat er sie wahrhaft zu eigen gehabt. Sie war ein Stück seiner Schlichtheit und Einfachheit, in der er, auch er weitab von allem, was scheinen will, lebte, und die so ganz seine Natur auch deshalb war, weil er die Schranken seiner Begabung kannte — und darin liegt vielleicht immer eine Stärke der Begabung. Er hat die Grenzen seines Wesens nie zu überschreiten gewünscht. Für sein Wirken und Schaffen hatte er den bestimmten Kreis, innerhalb dessen er blieb und bleiben wollte; nichts war ihm ferner, als überall sein zu wollen. Aber auf diesem seinem Gebiete sammelte er dafür die ganze Kraft. Was er war, ist er ganz gewesen, was er leistete, das tat er — ihm gegenüber darf ein Bibelwort angeführt werden — „mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft". Er legte sein ganzes Ich hinein; von sich hat er nie etwas aufgegeben, er hatte immer und überall den Mut zu seiner Eigenart. Gerade und aufrecht ging er durch seine Tage, sich immer gleich und sich immer treu; er verlor sich nie. Und in seinem Dasein wußte er darum Bescheid. Er besaß seine Lebensphilosophie, die ihm alles erklärte, den geruhigen Optimismus. Es gab für ihn weniger Lebensfragen als Lebensantworten; denn seine Lebensprobleme erfaßte er alsbald als seine Lebensgebote mit ihrer bestimmten Pflicht — ein glücklicher Mann in dieser Geschlossenheit und Deutlichkeit seines Lebens. Sie hat er in seinem Berufe auch ausgeprägt. So arbeitsvoll und erfolgreich dieser Avar, er hat ihm nie seine Persönlichkeit untergeordnet noch auch sie ihm bloß nebengeordnet. Auch als Kaufmann blieb er seinem Ich treu; er ist im idealen Sinne des Wortes ein jüdischer Kaufmann gewesen. Seine Religion stand in seiner Arbeit. Und darum ist er auch niemals, in der absprechenden Bedeutung dieses Begriffes, ein Bourgeois geworden, wie gerade der Kaufmann, wenn das Gelingen zu ihm kommt, so leicht es werden kann. Jene gewisse Selbstzufriedenheit, jene gewisse Sattheit, die das Problem mit dem Erfolg oder mit dem Witze abgetan glaubt, und in der der Mensch für alles, auch gegenüber dem Ernst einer Frage, die immer fertige Antwort oder die immer fertige Gedankenlosigkeit bereit hat, um die Formel seines Meinens unter alles zu setzen, jene Saturiertheit dessen, dem es geglückt ist, kann vor 28

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