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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1927-01-01 · 1927 · page 27

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1927
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273633--2123-2275922
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Wenn er einen bedeutungsvolleren Platz seines richterlichen Wirkens erstrebt hatte, so war es daher kein bloßes Trachten nach Geltung gewesen, sondern das lebendige Verlangen, an wichtigerer Stelle dem rechten Rechte, dem wahren Rechte zu dienen. Und es war darum kein bloßer enttäuschter Ehrgeiz, wenn er darunter litt, daß das Reichsgericht, das Oberverwaltungsgericht, das Kammergerich fc ihm, obwohl er als der Geeignete anerkannt wurde, verschlossen blieb, daß es geschehen konnte, daß, mit Bezug auf seine Bewerbung, die Frau des Justizministers seines Vaterlandes zu dem japanischen Gesandten sagte: „Wir müssen das Kammergericht rein halten." Weit mehr noch, denn als Jude, war er als Jurist verletzt; sein richterliches Gewissen war verwundet. In seinem Beitrage zu einer Festgabe an die juristische Fakultät, zum Tage der Jubelfeier der Universität Berlin, berichtet er, daß der Feldmarschall Jamagata bei der Rückkehr von einer Reise nach Europa ihm gegenüber als den wesentlichsten Eindruck bezeichnet hat, den er von Deutschland empfangen habe, daß dort die Gesetze nicht nur gegeben, sondern wirklich beobachtet würden. Und Mosse fügt, in dieser Festschrift, dem hinzu: „Wohl dem Lande, von dem das gesagt werden kann!" Sioherlich ungewollt, aber vernehmbar spricht eine bittere Ironie daraus hervor. Er hatte es erfahren, wie die Administration das Gesetz um seine Geltung zu bringen verstand. Aber auch hier blieb er in seiner Schlichtheit. Er wollte nie, wie es so mancher getan hätte, als ein Märtyrer in die Erscheinung treten. Nur ein vertrauter Kreis hat von seinen Erlebnissen gehört. Die Einfachheit blieb sein Stil. Und er hat es doch wohl empfunden, daß nicht er der Unterlegene war. Er vertrat, so sehr er in vielem innig, und man möchte hinzufügen, preußisch am Alten hing, doch das neue Prinzip und damit die Zukunft seines Vaterlandes; auch er ist ihm zu seinem Teile ein Vorkämpfer gewesen. In den Wegen und Fügungen des Lebens von ihm geschieden, aber doch auch in mancher Beziehung ihm verwandt, tritt in dieser Stunde neben ihn Max Weiß. W^ie Albert Mosse war er der Sohn eines Arztes. Auch der jüdische Arzt ist eine charakteristische Gestalt in dem Jahrhundert, das hinter uns liegt. Für ihn hatte sich die alte Zeit am leichtesten mit der neuen verbinden können; er hatte die eigene Welt, die immer gleiche der Kranken und Leidenden, neben der anderen und der sich wandelnden W'elt. Kein Zufall, daß auch im Mittelalter der jüdische Arzt den besonderen Platz gehabt liatte. Max W'eiß hat sein Weg in die 27

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