Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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Problem der Zeit etwas empfangen, sondern haben ihm etwas von. ihren eigenen Zügen gegeben. Wenn wir zuerst an Albert Mosse denken, so ist es deshalb auch, weil er an der Problematik der Zeit in seinem persönlichen. Geschick am stärksten hat tragen müssen. Er ist in ihr aber nie eine problematische Natur geworden. Der Grundzug seines Wesens bewahrte ihn davor: die schlichte Geradheit und Selbständigkeit seines Wesens und seines Denkens, diese Echtheit, der alles- Gesuchtc und Hergestellte, aller Schein und alle bloße Geltung widerstrebten. Vor dem Bilde seines Lebens könnte man sich des Wortes erinnern., das in der Westminster-Abtei, dort, wo Englands Glorien ruhen, auf dem Denkmal des jüngeren Pitt geschrieben steht: „Er lebte ohne Schaustellung seiner selbst." Von Albert Mosse in seinem Lebensgebiet darf ein Gleiches gesagt werden. Nichts lag ihm ferner,, als sich zur Schau zu stellen. Er wollte nie bloß erscheinen^ geschweige denn als einer scheinen, der er nicht war. Die Einfachheit war sein Lebensstil. Sie war auch der Stil, in welchem er schrieb. Auch die Sprache seiner wissenschaftlichen Arbeit zeigt diese Einfachheit, die Bestimmtheit, die Kürze, die Gedrungenheit der Darstellung. In zwiefacher Probe hat Albert Mosse diese Echtheit bewährt. Die erstere war es, als ein glückliches Geschick ihn, den Berliner Amtsrichter, auf den sein Lehrer und Gönner Rudolf von Gneist hingewiesen hatte, in die große Welt hinausführte, nach Japan, wo er ein Gesetzesautor des Landes werden durfte. Jahre, reich an Befriedigung, hat er dort verlebt, der Befriedigung nicht zum mindesten darüber, daß er jedes Vorurteil und Mißtrauen hatte besiegen können, das ihm dort, zwar nicht von den Menschen des Landes, das ihn und die Seinen aufnahm, aber von denen zunächst entgegengekommen war, die dort die alte Heimat vertraten. Er hat es so vermocht, weil er auch dort sich immer treu blieb. Jahre des Lebens jenseits der Meere bewirken es sonst leicht, daß einer gewissermaßen das alte Antlitz ablegt und ein neues annimmt oder anzunehmen sucht, daß er, um einen Goetheschen Ausdruck zu gebrauchen, das „äußerliche Behaben" eines Mannes, dessen Dasein, und Art über die Grenzen des eigenen Landes hinausreicht, aufzeigen will. Albert Mosse bewahrte die alte Haltung und die alten Züge. Er kehrte heim mit einer Fülle neuer Erfahrungen und mit neuer Weite des Blickes, aber in seiner Weise und seinem 25