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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1927-01-01 · 1927 · page 24

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1927
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273633--2120-2275919
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Augen schlössen. Und diese Flucht vor dem Problem wurde oft von denen, die über die Stellung der Juden im Staate zu bestimmen hatten, auch gefordert. Bald verlangte man, auch hier, von ihnen — bezeichnend ist hierfür der große Vollstrecker der Lehre von der egalite, Napoleon — daß sie ihrem Besonderen entsagen und nur unter den anderen sein sollten, bald wieder — und hierfür ist Friedrich Wilhelm IV. bezeichnend, der Vertreter einer neuen, der romantischen Lehre vom symmetrischen Staat —, daß sie nur in ihrem Besonderen, nur neben den anderen seien. Aber das Problem ließ sich nicht abweisen. So sehr unter denen auch, die dem Platze der Väter nicht entsagen wollten, viele mehr und mehr zu meinen geneigt waren, daß ihr Besonderes im Grunde kein Besonderes sei, daß sie im Grunde dieselben seien wie alle die anderen, so sehr sie damit dem Mittelalterlichen, ohne es zu wollen, eigentlich recht gaben, die Aufgabe, die der Wandel der Tage bot, trat doch immer wieder hervor. Es ist das geschichtliche Verdienst der führenden Männer des Judentums im vergangenen Jahrhundert, daß sie sich dieser Aufgabe erschlossen, daß sie den Sinn der neuen Zeit in ihre Erkenntnis und ihr Leben aufnahmen. Sie haben ihren Standpunkt gegenüber dem Neuen gewonnen, dadurch, daß sie die Bedeutung des Neuen begriffen. Sie haben das erkannt, was jetzt sein wollte: das Recht des Menschen, die besonderen Züge zu haben und den Reichtum der eigenen Art und des eigenen Wertes in das große Ganze hineinzutragen, dieses Recht und diese Pflicht des Menschen, in der Gemeinschaft immer er selbst zu sein, um kraft dessen die innere Freiheit zu erlangen und die äußere Freiheit beanspruchen zu können und so erst an der wahren Gemeinschaft mitzuschaffen. Darin war aus der Umwälzung hervor der sichere Boden aufgezeigt. Das Revolutionäre wurde überwunden, dadurch daß man sein Prinzip erfaßte. Dem Juden war damit der Platz seiner Besonderheit gegeben, der Platz, auf dem er stehen konnte. Das neue Prinzip dieser Freiheit in der Gleichheit gewährte ihm die sichere Beziehung zu der neuen Welt, in die er hineingeführt worden und eingetreten war. Aber so deutlich die Antwort war, sie war nicht leicht gewonnen, und sie wurde auf mannigfachen Wegen gefunden; sie hat ihre wechselnden Tage gehabt. In diese Aufgabe und ihre Lösung fügt sich das Leben der Männer ein, deren wir in dieser Stunde dankbar gedenken. Sie haben zu ihr beigetragen jeder in seinem Gebiete und mit seiner Art. Sie haben darum nicht nur, jeder in seinen Zügen, von diesem 24

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