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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1927-01-01 · 1927 · page 21

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1927
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273633--2117-2275916
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Li ihm. in seinen ideellen Kreis hineingeboren, leben wir Menschen der letzten Generationen. Der Kampf um seine Anerkennung- und Geltung ist die eigentliche Geschichte dieser Zeit, ist die Umwälzung, die dieses Jahrhundert gestaltet. Durch die Stellung zu ihm ist die Auseinandersetzung der großen politischen und sozialen Richtungen bestimmt, sie wollen zu ihm hin oder von ihm fort führen. Auch der jüngste Gedanke, der von dem Selbstbestimmungsrecht der Völker und von ihrem Bunde, ist nur ein Teil dieses neuen, revolutionären Grundsatzes., daß jedem, wie dem Individuum so dem Volke, der Platz seiner Eigenheit gewährt sein soll. In diese Revolution war mit seinem Besonderen der Jude des neunzehnten Jahrhunderts hineingestellt; ihr Werden oder Weichen war das Schicksal seines Rechts und seiner Freiheit. Aber er, der Jude Europas, — und das kennzeichnete seine Stellung im Staat und in der Gesellschaft — war schon das ganze Mittelalter hindurch der Vertreter dieses neuen Prinzips gewesen. Er war es gewesen dadurch allein, daß er da war. Das Peinliche wird dadurch begreiflich, das er für die mittelalterliche Welt bedeutete. Alles war für sie verständlich, alles hatte hier sein Gefüge, sein bestimmtes Ineinander — wenn es eben nicht den Juden gegeben hätte. Er war das ganze Mittelalter hindurch das Wesen, das zu der geregelten Gradlinigkeit im Widerspruch war. Er beeinträchtigte die Symmetrie, er durchbrach das System. Er war das Störende in der. Ordnung, deren man gewiß sein wollte; in einer Welt, die problemlos zu sein meinte, bildete er das Problem, an dem sie sich stieß. Erst hierdurch wird die Gegnerschaft, in der sie sich zu ihm befand, ganz verständlich. Gewiß haben sich darin der religiöse Gegensatz und bisweilen ein religiöser Wahn und daneben wirtschaftliche Bestrebungen und soziale Feindschaften ausgewirkt. Aber das Wesentliche ist dieses doch, daß die Juden, und sie allein, sich der Gradlinigkeit widersetzten, daß sie als die Andersgläubigen die einzigen anderen waren, diejenigen waren, welche außerhalb des Systems und damit gegen dasselbe standen; die Ordnung, welche allgemein gelten sollte, erschien durch sie verneint. Man muß zugestehen, daß das Mittelalter an diesem Problem gelitten hat. Und auch das wird nun begreiflich, daß die Stimmung und die Stellung gegenüber den Juden sich ändern konnte und der freie Raum für sie möglich wurde, erst als sich diese geistige Revolution vollzog, die das allgemeine Menschenrecht, ein anderer zu 21

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