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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1927-01-01 · 1927 · page 19

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1927
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273633--2115-2275914
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Mittel kommt es dabei gar nicht an — ein ganz neues Prinzip an die Stelle des bis dahin bestehenden Zustandes gesetzt wird." In diesem Sinne ist das neunzehnte Jahrhundert, das mit seinen Gedanken und darum in seinen Wirkungen in das unsere hineinreicht, die Zeit der großen europäischen Revolution. Das sogenannte Mittelalter hatte nicht schon mit der Renaissance und der Reformation, sondern in Wirklichkeit erst mit dem achtzehnten Jahrhundert aufgehört. Es hatte sein Prinzip, das man am kürzesten als das der absoluten Symmetrie, der Geradlinigkeit, welche keine Ausnahme dulden will, bezeichnen kann. Es hatte nur Antworten, nur Entschiedenes, neben dem kein Zweifel blieb; vor jeder Frage stand die Antwort bereits endgültig fest. Alles war darum klar, lehrbar und verständlich. Der Mensch des Mittelalters begriff im Großen wie im Kleinen das All, in welchem er war. Die Welt, in welcher er lebte, war die des dreifältig geschichteten Raus, deutlich, ebenmäßig geordnet: oben das Reich der Gnade, unten das Reich der Verdammnis, und zwischen ihnen das Reich des Menschen, dorthin hinaufreichend oder dahin hinuntersinkend. In gleicher Weise zeigte das engere Gebiet, in dem er sein Dasein hatte, das des Staates, die festen Linien: alles hatte seinen bestimmten Status, Stand war neben Stand gestellt, jedermann in seinen Rezirk hineingefügt. Und dem Staate wiederum war sein Platz in dem größeren Plane gewiesen, er war hineingegliedert in den christlichen Völkerbund, für sich und doch mit den anderen, mit ihnen zusammengehalten durch die eine Kirche und ihren einen Herrscher, den Papst. Es war, wenn auch nicht immer in der Wirklichkeit, so doch immer in der Forderung und in der Darstellung, eine Welt des Regelmäßigen, ohne Heraustretendes und ohne Ausnahme, eine Welt der gradlinigen Symmetrie. Alles ordnete sich ebenmäßig ein. Auch das Ereignis, das nach der üblichen Darstellung die neue Zeit heraufführte, die Reformation, hat an diesem Mittelalterlichen im Grunde nichts geändert. Es ist die geschichtliche Tat Luthers, daß er einen Teil Europas aus der alten Symmetrie losgelöst hat. Aber das, was so als Ausnahme begann, hat sich dem alten Prinzip alsbald wieder untergeordnet. Auch die protestantische Welt hat sich ihre Organisation in dem Plan der alten Gradlinigkeit gegeben. Ja» dieser ist hier noch bestimmter gestaltet, da der Fürst des Landes zugleich der Fürst der Kirche wird und die Souveränität so eine ist. Aller Widerspruch, alles Unsymmetrische, das sich aus einem Gegen- 19

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