Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1925
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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— 22 — 'Judentums sowie für die wissenschaftliche Spezialisierung vielfach an Lehrern und Hörern. Wir besitzen auch keine Einrichtung, die uns die Heranbildung eines Nachwuchses verbürgt. Ebenso ist unser Verhältnis zur Universitas Literarum keineswegs ein so enges, wie es den Stiftern vorschwebte. Werden wir für einen Ausbau der Hochschule Verständnis und Beistand finden? In unserer Gegenwart mit ihrer grausigen Wirtschaftsnot scheint die Aussicht trübe, dennoch regen sich allenthalben die Kräfte für den geistigen Wiederaufbau, heute finden wir uns einer anderen Lage gegenüber wie vor fünfzig Jahren. Damals ein müdes Geschlecht, da9, geblendet von der errungenen Gleichberechtigung, nur einen losen Zusammenhang mit dem Judentum wahrte — heute ein breiter Strom mächtig sich ergiessenden jüdischen Lebens, der durch seine Gewalt alles mit «"'eh fortreisst. Damals ein Aussterben des jüdischen Wiaaens, — heute, ganz besonders in der Jugend, ein sehnsuchtsvolles Verlangen, in das seelische Erbe der Ahnen einzudringen, bei allem Hunger nach Brot ein Lechzen nach geistiger Nahrung. Damals eine Abkehr vom Hebräischen als totem Vermächtnis einer überlebten Vergangenheit — heute die Freude an der wiedererwachten Sprache und ihrer vieltausendjährigen Literatur. Heute besteht das Verständnis für den Wert des jüdischen Lehrhauses als Forum für unparteiischen Gedankenaustausch/ für volle Freiheit der Lehre und Forschung. Welcher Anteil unserer Hochschule an diesem Umschwung zukommt, bleibe dahingestellt. Sicher kann — abgesehen von den literarischen Leistungen, die von ihr ausgegangen — es nicht ohne Wirkung geblieben sein, wenn fünfzig Jahre lang unsere Tore offen standen und jedem, der Belehrung über das Judentum suchte, die Gelegenheit hierzu geboten war. Noch nie ist die Nachfrage nach Erzeugnissen der jüdischen Gelehrsamkeit in weitesten Kreisen so stark gewesen wie gegenwärtig, es gibt nicht genug Köpfe, die produzieren, nicht genug Hände, die schreiben könnten, was heute von uns gefordert wird. In der allgemeinen Gunst für die Wissenschaft liegen aber auch gewisse Gefahren. Zunächst die, dass sie sich auf den Weg der raschen Arbeit, der Popularisierung drängen lässt. Gewiss sollen die Ergebnisse der Wissenschaft klarverständlich dargestellt und volkstümlich verbreitet werden, aber das Höhenmass muss gewahrt bleiben, die Wissenschaft darf nicht zum