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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1925-01-01 · 1925 · page 23

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1925
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273629--2070-2275867
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— 19 — Es fehlte die Stetigkeit, die innere Geschlossenheit. Ein Institut mit so weitreichenden Plänen, mit Hörern so verschiedener Herkunft, Art und Vorbildung ist selbst bei einer grossen Zp.hl verfügbarer Kräfte und bei einer langjährigen Tradition schwer zu leiten — geschweige denn, wenn es neu ist und von der Not ständig niedergedrückt wird! Die Freiheit der Hochschule erwies sich als Fessel für ihre Entwicklung, die offene Tür gewährte jedem Unberufenen Einlass, während sie Berufene und Auserwählte vielfach zurückhielt. Der Besuch entsprach nicht den Erwartungen, und die ÜDruhe im Innern wirkte nach Aussen. Als hätten sich alle Mächte gegen das schwache Gebilde verschworen, erhob selbst die Regierung ihre Hand gegen die Hochschule. Bei der Verleihung der Rechtsfähigkeit wurde der Name Hochschule, der das Höbenmass bezeichnet, der die Anstalt bekannt gemacht hatte, beseitigt und durch die nichtssagende Bezeichnung Lehranstalt ersetzt. Dabei bedurfte sie der Popularität, weil ihre materielle Lage sich immer gefahrvoller gestaltete und unhaltbar zu werden drohte. Mit ehrfurchtsvoller Bewunderung niuss uns die treue Pflichterfüllung, muss uns das stille Heldentum der Männer erfüllen, die unter den schwierigsten Bedingungen, unter der Last einer vielseitigen Lehrtätigkeit ihre Müsse wissenschaftlicher Arbeit widmeten und, neben den gelehrten Beilagen zu den Jahresberichten, Werke von anerkanntem Werte schufen. Es kennzeichnet jene trostlose Zeit, dass an der Bahre eines unserer Lehrer der Trauerredner in die Klage ausbrach: „O, über das Elend jüdischen Gelehrtentums! Wann wird Israel endlich erkennen, dass alle die grossprecherische Liebe zum Judentum eitel Lüge und Täuschung ist, so lange die Träger seiner Wissenschaft nicht nur nicht ohne Sorge leben, sondern nicht einmal in Frieden sterben können!" In aller Not wurde eines mit Beharrlichkeit festgehalten, die Idee der Denk- und Lehrfreiheit. Wie sehr Kuratorium und Lehrerkollegium in ihrer Zusammensetzung auch wechselten, so verschiedenartig der Standpunkt war, den die einzelnen Persönlichkeiten vertraten, in dieser Frage gab es!:oinen Zwiespalt und keinen Zweifel. Als die Not aufs höchste gestiegen war und in der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde Berlin die Bereitwilligkeit ausgesprochen wurde, die .Lehranstalt* auf ihren Etat zu übernehmen, wurde dieses verlockende Anerbieten einstimmig abgelehnt, da die Gemeinde wohl materielle

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