Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1925
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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- M - Befähigung und fachlicher Tüchtigkeit. Nach den vornehmsten Ueberlieferungen der deutschen Hochschulen und des jüdischen Lehrhauses war ihnen vollo Freiheit der Forschung und Lehre gewährt.. Unbekümmert um alle Parteiungen, wollte die Hochschule Mänuern jeder Richtung, so sie nur eine wissenschaftliche Meinung ehrlich erstrebten und vertraten, ihre Katheder zur Verfügung stellen. Ihr Aufbau war so frei, dass sie nicht einmal liberal im landläufigen Wortsinne genannt werden konnte. Mit einem gewissen Unmut schreibt Abraham Geiger wenige Monate vorder Eröffnung einem Freunde: „Es war olfonbar die Absicht von Lazarus, eino völlig neutrale Anstalt zu errichten, den Einüuss einer jeden Richtung, und das heisst ja eben der fortschreitenden, fern zu halten und mir ein Gegengewicht entgegenzustellen." Es war tatsächlich in Aussicht genommen, wichtige Lehrstühle mehrfach zu beset/.en und die verschiedenen Riebtungen zu Wort kommen zu lassen, um so die Neutralität zu wahren. „Neutral" bedeutete hier nicht, wie Geiger fürchtete, zwischen den Standpunkten vermitteln, sondern jedem Lohrer das Recht gewähren, seine Individualität in voller Freiheit zur Geltung zu bringen, ohne Rücksicht auf die Fragen und Entscheidungen des Tages zu forschen und der eigenen Ueberzeugung Ausdruck zu geben. Man opferte die Einheitlichkeit, um die Freiheit zu retten. Sie war in der Verfassung der Hochschule fest verankert, wenn diese als selbständige Körporschaft, unter Verwaltung eines wühlbaren Kuratoriums lediglich auf das freiwillige, selbsttätige Interesse ihrer Freunde und Gönner gestellt, wenn auf ihre Unabhängigkeit von allen Behörden besonderes Gewicht gelegt wurde. Die Freiheit sollto, wie die Sonne, alle heilsamen Kräfte anziehen und nach allen Seiten hin Segen verbreiten! II. Wie stand es um die Durchführung des Werkes? Der grosse Gedanke fand ein kleines Geschlecht, die Zeit war für das Lehrhaus noch nicht reif. Für ein Institut, das nur der Wahrheit und nicht einer Partei dionon wollte, regte sich keinerlei Fanatismus, wohl aber wurde jeder Fanatismus aufgeboten, es zu bekämpfen. Die Hochschule war wohl von allen Hemmungen im Innern befreit, aber von aussen her stellte sich ein schwerwiegendes, unübersteigbares Hemmnis entgegen, die notwendigen Mittel wurden ihr verweigert! 2