Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1922
- Date
- 1922-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Talern nahm sie ihre Tätigkeit auf; die Ausgaben wuchsen, die Einnahmen hielten nicht mit ihnen Schritt, die Lage der Anstalt gestaltete sich höchst unsicher, sie stand vor der Frage von Sein oder Nichtsein. In der Not sah das Kuratorium sich 1891 gezwungen, von seinem Grundsatz abzugehen und die Hilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin in Anspruch zu nehmen. Es wurde ihm mehr geboten, als es gefordert hatte, und aus den Kreisen der Verwaltung die volle Uebernahme der Hochschule durch die Gemeinde angeregt. Dieses grosszügige Anerbieten hat das Kuratorium abgelehnt, die Unabhängigkeit stand ihm zu hoch, um sie für das Linsengericht der materiellen Sicherheit preiszugeben, für die volle Freiheit der Lehre boten die wechselnden Mehrheiten der Gemeindeverwaltung keine hinreichende Gewähr. Es begnügte sich mit einer bescheidenen jährlichen Subvention, die der Lehranstalt ihre volle Selbstständigkeit liess, und vertraute auf die Werbekraft der vertreteneu Idee, vertraute darauf, dass unsere Glaubensgemeinschaft, die für die Abwehr jedes Notstands opferwillig Herz und Hand öffnet, auch der geistigen Not sich nicht dauernd verschliessen, dass sie die Bedeutung der wissenschaftlichen Forschung für die Erhaltung des Judentums endlich anerkennen würde. Allmählich trat auch ein Umschwung zum Besseren ein, eine zielbewusste Propaganda klärte weitere Kreise über die Lage und die Aufgaben der Hochschule auf. Auch auswärtige Gemeinden erkannten die regelmässige Förderung einer der Wissenschaft des Judentums gewidmeten Anstalt als Ehrenpflicht an. Vor allem aber erhielt die Anstalt eine Reihe grösserer Stiftungen, die ihr feste Fonds zuführten und sie von den schwankenden Einnahmen der Mitgliederboiträge unabhängiger machten. Insbesondere wurden die Stiftungen für die Errichtung von Lehrstühlen (vergl. S. 32) von Bedeutung, weil sie einen weiteren Ausbau der Lehrtätigkeit ermöglichten; ihre Spender haben sicn um die Anstalt ein bleibendes Verdienst erworben. Infolge der katastrophalen Geldentwertung erwachsen der Hochschule gegenwärtig freilich aus diesen Stiftungen schwere Lasten. Einige Zahlen mögen die Entwicklung der Finanzlage beleuchten. Die. Jahreseinnahmen betrugen 1884 M. 14509.65 189Ö M. 19 137.50 1907 M. 40226.24 1921 M. 327 868.39 \