Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1919
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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- 29 — am Sabbatnaehmitrng in unserer traulichen Alten Synagoge .gehalten. Er wohnte nicht allzuweit von mir, uml wir fingen genieinsam den Weg d«mh den menschenlet'ren Tiergarten, auf dem die wanne Sonnenstundo lag. Der Friede des Tages üfl'uete ihm. das Herz, und in seiner ruhigen Sprache erzählte er, von seiner Kindheit in «lein stillen Wittenberg, wo er früh den Vater verloren hatte, von den Jahren hier in Berlin, wohin die Mutter und die Schwester ihm gefolgt waren, und zuletzt vou seinen lloll'uungen, seinen Wünschen für das Lehen. Hiervon hat er dann gepredigt, das erste Mal vor einer Gemeiud«', der kleinen Gemeinde des Sabbatnachmitt.ig.v gepredigt, wie jeder echte'Prediger, von sich selber, und ich sehe ihn noch, wie dann sein Auge nach der Empore oben zu den Seinen hinzog, die voller Stolz an dieser Stunde teilhatten. Als der Krieg ausbrach, war er unter den ersten Freiwilligen, gegen das Bitten der Mutter. Jm Oktober ist er auf dem flandrischen Fehle gefallen, einer aus der Jugend, die damals singend dem Tode entgegeuging. Wenn von ihr das Lied einmal künden wird, wir werden dann unseren Alfred Salomen vor uns erblicken. Wir werdeu seiner nie vergessen. Kr schläft dort draussen neben einem, der ihm in ernsten Tagen zum Freunde geworden war, unter einem einsamen Baume. Wenige Wochen nach ihm ist seine Mutter, der er die Zukunft ihrer Tage gewesen war, müde von hinnen geschieden, seine Schwester ist aliein zurückgeblieben. Was hat der Krieg doch zerstört! Kurz nach Alfred Salomon war .Max Lichtonstein hinausgezogen, nach den ostlichen Wegen des Krieges, er eine Mannesgestalt schon, strahlenden Blickes, wie mit Poetenaugen in die Welt hinausschauend, voller (ilauben an sich und seine Zukunft. Er war eine Hoffnung der Gemeinde, mit allen den Gaben ausgestattet, den innerlichen und auch den äusseren, die den Prediger und den Lehrer machen. Der Sinn für das Seelenleben, das feine psychologische Emptinden war ihm eigeu; auch in seiner ersten wissenschaftlichen Arbeit, seiner Dissertation, die dem biblischen Wort Ton der Seele galt, leitete ihn dieser Zug. Wir warteten vollor Zuversicht darauf, dass er seinen Platz finden werde. Auch draussen im Felde hat er sich bewährt, als ein ganzer Soldat, froh der Gunst, dass sein Bruder nebon ihm am gleichen Geschütze stand. Er schrieb mir noch, sorgen* Voll und fragend, über die ersten Eindrücke, die er in den