Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1919
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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…/2273546-2273619--1957-2275749- Visual Library
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- 27 — stete Arbeit für das Judentum zur Ernte seines Abends, zur Erfüllung seines Lebens geworden war, Hermann Cohen, dessen Jiild noch vor uns steht, wie es in unserem Kreise in gedenkender Stunde gezeichnet ward. Aber ein ruerfülltes, wie der Klang eines Tragischen, liegt über dem Leben beider Männer. IMiilippson erzählt \on sieh, wie er sein Buch Uber Kaiser Friedrich „in tiefer seelischer Erregung*' geschrieben habe. Man Kann es begreifen, denn es war ein Buch, in welchem er von seinem Schicksal auch erzählte, von dem seinen und dem aller derer, die mit ihm jung gewesen waren, mit ihm geheilt und ersehnt hatten. Ks ist eine Tragik in der neuen deutschen (iosehiehte, dass mit dein Tode Kaiser Friedrichs eine t'eneration gleichsam ausgefallen ist, die Ceneration derer, die darauf geharrt hatten, dass mit den Jahren der Regierung dieses Kaisers die Erfüllung und Verwirklichung dessen anheben werde, wofür sie gearbeitet und gekämpft hatten, im Kample nicht zum wenigsten gegen den lutherischen Staatsbegrifl", die Erfüllung dessen, was von der Zeit der Aufklärung, des Idealismus als sittliche Kraft zu ihnen gekommen war. Auer diese Männer, ein riiilippson, ein Cohen, blieben sich treu, und sie fanden gerade jetzt, als es Abend war, «lie stärkste Kraft ihres Lebens. Sie begannen jetzt die Arbeit für die jüdische Idee, für das jüdische Ideal, in welchem sie so vieles von dem wieder entdeckten, was der deutsche Idealismus sie gelehrt hatte: sie erlebten nun «las Leben für das Judentun». Wir werden es diesen Männern gedenken. Ins achte Jahrzehnt hatten diese Männer, Brünn, Philippson, Cohen eintreten düifen; einer aus unserem Kreise, Dr. Eduard Sachs, hat im Aufstiege dahin gehen müssen — nel mezzo del camin di nostra vita. Er war der Träger eines Namens, der Eukel von Michael Sachs, der Sohn von Leonhard Sachs, einem echten Manne, an den mancher unter uns sich noch verjehrungsvoll erinnert; wir wuss'ten, dass er diesen Namen als den seinen auch tragen wollte, erworben, um ihn zu besitzen". Er gehörte der anderen Zeit schon an, geboren im neuen Reiche, in der Zeit, die in Woltgedanken denken wollt«, den grossen Zug in der Wirksamkeit erstrebte llrmann Veit Simon hatte ihn in unseren Kreis geführt, als eine Zuversicht neuer Arbeit und neuer Wege. Wir, die wir seinen Namen nur gekannt, grüssten in ihm den Erben geistiger uud sittlicher Vor-