Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1919
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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sorgen, und Moral wird so das, was die Obrigkeit verlangt. Was daneben die Güte und Liebe in ihren persönlichen Geboten besitzt, wird dem warmen Herzen und dein Frieden des Hauses überlassen. Das Bestimmende bleibt die Autorität, in der Fürst und Beamte zu Beauftragten Gottes werden. Der alles bevormundende Polizeistaat ist in gerader Linie aus dem Luthertum hervorgegangen. Kr bat im Preussen des 19. Jahrhunderts, als Romantik und Kostauration sich den Platz bereitet hatten, zu seiner alten Theologie seine neue Philosophie erhalten. Stuhl ist mit seiner Lehre vom christlichen Staat der Erbe Luthers, und ebenso sind es die Vertreter einer nur die staatliche Macht anerkennenden Politik. In gewissem Betracht ist es auch Bismarck, in dem das Staatsgefühl so stark und so ausgebildet war und das Volksgefühl so schwach, so unbestimmt blieb, so dass für ihn das Volk nur als Objekt des Staates erschien. Diese Verbindung eines starren Autoritäts- und Unter tanenbegrifls mit einer christlichen Weltanschauung, die alles Ethische und Religiöse dem privaten Dasein überliess,. ist hier etwas so Spezifisches, Eigentümliches geworden) dass einer der Historiker des Protestantismus den Ausdruck wagte, von einer, „preussischen Religion" zu sprechen. Diese lutherische Staatsauffassung ist es,- die dem weltgeschichtlichen Geschehen erlegen ist. Wenn man ihren Grundmangel sucht, er ist in dem Fehlen des alttestamentlichen, des jüdischen Elementes zu linden, in diesem Fehlen des starken, religiösen Optimismus, der an die Zukunft glaubt, diesem Fehlen der -sozialen; messianisehen Ueberzeugung, des Dranges, wie er in unserer Bibel lebt, die Welt zu gestalten und zu verbessern. Dieses mangelnde innere Verhältnis zum Alten Testament, zur jüdischen Idee war für Luther das Verhängnisvolle geworden. Ein tiefer Pessimismus erfüllte ihn gegenüber der Welt mit ihrem Sündenstaud und gegenüber allem Wirken für sie. Der Gedanke einer messianischen IlotVuung lag ihm weit fern: die Augs-; burgische Konfession verwirft ihn ausdrücklich als judaica opinio, als jüdischo Lehre. So jüdisch Luther begonnen hatte, so fernab von allem Jüdischen hatte ihn sein weiterer Weg geführt. Darin liegt ja auch ein deutlicher Gegensatz des Luthertums zu dem anderen Gebiete der Kel'ormationsbewegung, zu dem .calvinistischen. Im Calvinismus war, umgekehrt, das jüdische. Element imme* stärker geworden. Hier hat der messianische,