Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1919
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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— 20 — banges mit der Weltgeschichte bewusst bleibe. Und auch das sollte dabei nicht vergessen werden, dass so viel des ejgensten jüdischen Gedankengutes, heute wie ehedem, auch ausserhalb des Gebietes des Judentums sein Dasein hat und dort als drängende, treibende Kraft lebendig und wirksam ist. In der grossen Geschichte der Welt dürfen und müssen wir das Unsere entdecken. Wenn draussen im Wandel der Zeiten die Gedanken mit einander ringen, dann kämpft dort oft auch eine Kraft, die aus dem jüdischen Geiste geboren ward und Von ihm ihre neue Nahrung immer wieder empfängt - auch tias ein Stück jüdischer. Geschichte und wahrlich nicht ihr geringster Teil. Wir erleben es jetzt, wie in unserem Vaterlande eiue Zeit zu Ende geht, anscheinend nrit der Plötzlichkeit der Revolution, aber doch bloss scheinbar so; denn jede Revolution ist nur ein plötzliches Mittel, nicht aber ein plötzliches Ziel. In der allmählichen Entwicklung der Gedanken hat sich immer vorbereitet, was dann gewaltsam hervortritt. Es ist* daher nicht nur eine staatliche Ordnung, die jetzt in unserem Vaterlande unter der Last des Geschehens zusammenbrach, sondern weit mehr noch ein alter Siaatshcgriff, der unter dem Drucke anderen Denkens erlegen ist. Zwei Kräfte waren-im preussischen Staate wirksam, zwei Kräfte, die auch die Stellung von Juden und Judentum im Laude bestimmten. Die eine, die ältere, konservative, war das Luthertum mit seinem kirchlichen Staat und seiner Staatskirche, die andere, die spätere, treibende, war die Aufklärung oder, wie hier auch gesagt werden kann, der Geist des Landrechts und der Kantischen Philosophie. Luther hatte mit einem israelitischen Grundgedanken, dem Gedanken des Priestertums aller Gläubigen, begonnen; es war die Zeit seines Sturms und Drangs, als er so predigte. Aber' so protestierend er begonnen, so unprotestantisch hatte er geendet. So lange er nur protestierte, hatte er vom Staate absehen und sich nur an" das gläubige Bewusstsein wenden können. Als aber dann Machthaber seine entscheidenden Helfer geworden, waren und er daran 'gehen wollte, seine Kirche, die in Wort und Sakrament fassbare Kirche, zu schaffen, glaubte er die Möglichkeit zu ihrer Organisation nur in der .staatlichen Ordnung und den staatlichen Geboten und Mitteln zu finden; er hat seine Kirche je länger, desto entschiedener ganz auf staatlichen '■ ' \