Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1919
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Ilochgoehr!p Vorsammli.ing! Zu einer Stundo des. Gedenkens und des Iiegrüssens, zum Worte der Treue und der Zuversicht sind wir liier zusammengekommen. Aber» wer vermag heute, iu durch wühlter, Hütender Zeit, nur in der Stunde zu bleiben, sein Fragen und Sinnen dem fernzuhalten, was jetzt unsere Tage durchströmt, was jeden von uns bis in sein Persönlichstes hinein erlasst hat! Diese Stätte, über der die Forderung der Wissenschaft und ihrer Lehre geschrieben steht, verlangt es ja auch, dass das ernste Wort, das hier gesprochen wird, nicht dem umgreuzteu Kreise bloss gelte. Wenn es sich heute denen zuwendet, die wir die Unseren nennen, die Unseren in dem innigen Dank, weil wir sie zu eigen haben durften, die Unseren in dem ausschauenden Hollen, weil wir sie zu eigen haben wollen, wenn ihnen, den Dahingegangenen und den Kommenden, unser Wort sieh zukehrt, wir ehren die einen am meisten und grüssen die anderen am wahrhaftigsten, wenn wir den Sinn ihrer Tage suchen. Hier, an dieser Stätte, steht immer die ljöhe der Idee vor uns, dieser grosse Zusammenhang, iu welchem sich die Tage' verbinden. Für den ganzen Stil unseres Denkens vom Judentum und, da Gedanken die stärksten Kräfte des Lebens sind, für den Stil des jüdischen Lebens ist diese Richtung zur Idee ein Notwendiges. Unsere jüdische Gemeinschaft ist nicht zur Kirche geworden, sie ist Gemeinde in einem besonderen Sinne, wie er nur ihr eignet, Gemeinde des Blutes und des Geistes, gewisser- .massen die-grosse Familie, in der die Kiuder dergleichen Ahnen und des gleichen Glaubens zusummen sind. In diese Nähe, die so Überall herantritt,-stellt sich das Auge leicht*ein, und darum ist es häutig so gewesen, dass alles Geschehen wie ein Familiengeschehen erschien und die Geschichte damit zur blossen Chronik wurde, zur Chronik von einzelnen Ereignissen und zur Chronik von einzelnen Menschen. Gegenüber diesem Zug zum Kleinen und Traulichen ist es ein Gebot, dass das Judentum seine ideelle Weite und Grösse bewahre, dass es die Philosophie seiner Geschichte finde, seines steten Zusammen-