Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1915
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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i — 26 — gelehrt, welch hohe Anforderungen er an das Amt stellte, wie ernst und heilig er die selbst gewühlte Pflicht erfaßte und übte. Besaß Simon von Natur alle Gaben, die ihn zum Führer geeignet machten, so brachte er auch die besonderen Eigenschaften mit, welche die Leitung einer Ansialt wie der unsrigen erfordert. Bei großer Erfahrung in allen Fragen der Verwaltung war er der wissenschaftlichen Forschung stets ergeben und hatte sich in seinem Fache den Ruf einer Autorität ersten Ranges erworben; aber seine Neigungen"gingen noch weiter zu theoretischen Studien, als fernes Ideal schwebte es ihm vor, sich von seiner Praxis völlig zurückzuziehen und sieh ausschliesslich der Rechtsphilosophie zu widmen. Der Wissenschaft des Judentunis stand er dank eigener Neigung und Beziehungen seiner Familie zu Leopold Zunz und Abraham (ieiger nahe, der gedanklichen Entwicklung des modernen Judentums brachte er volles Verständnis entgegen; er war von der Teberzeugung durchdrungen, duss die Zukunft unserer Olaubensgemeinschaft nur dann gesichert weiden konnte, wenn ihre Lehre im Feuer der Wissensehaft geprüft und geläutert, wenn sie in unparteiischer Forschung ermittelt würde, die kein anderes Ziel kennt als das Suchen nach Wahrheit, wenn sie von Führern und Lehrern verkündet würde, dio mit dem vollen Rüstzeug zeitgenössischer Bildung, wissenschaftlicher Schulung ausgestattet wären. Das Kuratorium wählte Simon bald nach seinem Eintritt zum stellvertretenden- Versitzenden undj da der hochbetagte Vorsitzende durch schweres Leiden ans Haus gefesselt war, fiel ihm unmittelbar die tatsächliche Leitung des Kuratoriums zu, die er Anfang 190G auch nominell übernahm. Ein würdiger Nachfolger Salomon Neumanns wurde Simon der zweite Begründer unserer Hochschule; alles was an guten Keimen vorhanden war, hat er durch liebevolle und besonnene Pflege, durch selbstlose und zielbewusste Fürsorge zur Blüte gebracht, er hat der Anstalt e i n e Z e i-t g 1 ä. n z e n dsten Aufschwungs bereitet. Rastlos und unver- drossen war er" an der Arbeit, der Segen Gottes ruhte auf dem Werke seiner Hände, gab seinem Schatten Gelingen. In treuer, aufopfernder Hingebung hat er stets seines Amtes gewaltet. Bei der übervollen Last seiner Berufspflichten musste er sich dio Zeit für die ehrenamtliche Tätigkeit mit Gewalt abringen, aber