Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1914
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
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- 68 — Philosophie, ist: „Das Abbild des ewigen Lichtes ist der Sonnenglanz, das Abbild der ewigen Weisheit ist die Thora."28) Hier spricht sich fast epigrammatisch aus, warum man das Judentum platonisch fassen wollte. Nicht zum mindesten in der biblischen Lohre von der Gottesebenbildlichkoit dos Menschen empfand man diese Gemeinsamkeit. Und auch hier bietet sich uns wieder ein Eigentümliches dar, das uns den Gesichtskreis der Predigt erkennen lässt. Die griechischen Bibelübersetzer geben das „Ebenbild" mit „eixwv" wieder. Dieses Wort ist in die hebräische Predigtsprache aufgenommen worden; sie benennt mit ihm den Menschen, und inmitten der hebräischon Sätze heisst er so ausdrücklich mit griechischem Wort die sixc&v Gottes.20) Das bedeutet nicht etwas Sprachliches bloss, vielmehr etwas Religiöses; eine Betonung liogt darin, es ist wie eine feierliche Forderung, wie ein Einspruch gegonüber anderem Glauben. In der damaligen religiösen Sprache des Griechentums bezeichnete nämlich sixtuv ein Exclusives. Nicht joder Monsch war hier göttliches Ebenbild, sondern nur der Auserkorene war es, der zu den Göttern erhoben sein sollte. Das Wort gohörte der Sprache des Herrscher- und Ileroenkultus an, der dio griechisch-römische Welt ergriffen hatte. So wird in der berühmten Inschrift von Rosette, deren Dreispracbigkeit die Entzifferung ägyptischer Schrift ermöglichte, dor König Ptolemäus als „lebende elxcuv des Zeus" gepriesen.30) Die Sprache dieses Kults ist dann in die christliche Rede vom Heiland übergogangon, und mit den anderen Prädikaten des Herrschers wird denn auch dieses, die göttliche etxtov, dem Gottmenschen, dem Christos, beigelegt.31) Vergegenwärtigt man sich diesen Accent, den das Wort so besass, dann gewinnt es eine besondere Bedeutung, dass mit ihm, in seiner griechischen Form, von der jüdischen Predigt der Mensch benannt wird. Der Mensch - erhält das Prädikat, das dort nur dem Auserwähltesten, sei es der Kaiser, sei es der Gottmensch, zugesprochen wird; der Mensch ist die etxwv Gottes. So wird der Anschauung des Judentums ihr Recht gesichert.32) ' Aber dies alles soll hier nur die Beispiele dafür geben.