Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1914
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
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— 65 — ist denn auch mit demselben Ausdruck benannt worden, der die griechische bezeichnet.20) Aber wie immer der Weg ins Land führte, man wussto in Palästina von den griechischen Schullehren, und die heimische jüdische Predigt ist ihnen gegenübergetreten, um sio abzuweisen oder sie aufzunehmen. Denn man trug kein Bedenken, sich dessen auch zu freuen, was von der hellenischen Welt her kam, und bezeichnend ist, dass es besonders platonische Gedankon, diese idealsten unter allen, gewesen sind, die mau willkommen hiess. Für das alexandrinische Schrifttum ist diese Hinneigung bekannt; in Philons Persönlichkeit ist es fast etwas Selbstverständliches, dass er die Worte Gottes an Moses dorart erläutert und sublimiert, dass Gott von den platonischen Ideen ganz ausdrücklich spricht.21) Aber in der palästinischen Haggada tritt uns im Grunde dasselbe entgegen. Auf mehrere Beispiele hierfür hat - Joöl schon hingewiesen.22) Doch sie sind noch zahlreicher, und es sei hier wenigstens eines noch aufgezeigt, weil gerade dieses charakteristisch dafJr ist, wie die Art, in der ein Philon lehrt, auch der eigentlichen palästinischen Predigt nicht fremd gewesen ist. In mehreren Predigten wird für die Offenbarung, die Abraham erlebte, ein Bild gesucht, das dieses Erhabene und Ausserordentliche darstellen soll, und es wird in folgendem gefunden: „Gott, so sagt die Bibel, führte Abraham hinaus, das ist so zu denken, als habe Gott den Abraham über das Himmelsgewölbe emporgeführt, dorthin, wo das Ewige wohnt, so dass er unter sich die Bahnen der Gestirne erblickte, die Wege und Gesetze, die von Anbeginn her festgestellt sind".23) WerPlatons Phädros kennt, wird sofort,- Zug um Zug, an das wundersame Bild erinnert, in dem dieser Grösste der „Schauenden" unter den Griechen den Aufstieg des Weisen geschildert hat, wenn dio Stunde über ihn kommt, da er erkennen darf: „er wird emporgeführt und steht auf dem Rücken des Himmels und die Umdrehung trägt ihn umher, und er sieht, was ausserhalb des Himmels ist; . . . er schaut die ewige Gerechtigkeit, die ewige Vernunft, die ewige Einsicht und alles das Ewige sonst."2*)