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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1914-01-01 · 1914 · page 63

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1914
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 63)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273609--1839-2275626
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— 64 — gegenüber dem starren Schriftlichen, das, was das Wort Midrasch benennen will, dieses Undogmatische, die3es Recht und dieses Gebot, in der Bibel zu suchen, im Anschluss an sie auch die religiösen Gedanken zu gestalten und fortzubilden. Dieses Erfordernis der ideellen Selbstbehauptung hat sich immer wieder im Laufe der Geschichte und so auch damals geltend gemacht. Man musste sich mit den Gedanken auseinandersetzen, in denen die Ansprüche der Gegnerschaft und die oft noch schwereren einer Verwandtschaft an das Judentum herantraten. Sie kamen nicht zum mindesten auch von der griechischen Umwelt her, und sie drangen auch an das palästinische Judentum stark heran, nicht bloss, wie man oft meint, an das alexandrinische. Die Grenze zwischen den heimatlichen und den ägyptischen Gemeinden bedeutet überhaupt mehr eine Rubrik der Einteilung, als eine Marke des wesentlichen Unterschieds.17) Auch auf dem alten jüdischen Boden hat sich jene eigentümliche Wechselwirkung vollzogen, in der sich Abendland und Morgenland, besonders seit den Tagen Zenons, des Sohnes Manasses, des Gründers der Stoa, allenthalben neu zu verbinden suchten. Man kann diese Beziehungen in den Trümmern der alten hebräischen Predigten noch deutlich verfolgen18) und es erkennen, wie man sich dort dem geistigen Kampfe nicht weigerte. Alle die einzelnen Wege, auf denen die griechische Philosophie hereintrat, lassen sich nicht mehr feststellen. Man braucht sie nicht gerade in der unmittelbaren Vertrautheit mit bestimmten Schriften zu suchen. So manches Motiv und so mancher Satz, platonische und stoische ebenso wie epikuräische, waren damals ein Gemeingut griechischer Bildung und gelangten mit ihr überallhin. Man hat auch ohne Zweifel die griechischen Wanderprediger in Palästina gut gekannt; sie sind wohl die „Philosophen" gewesen, von deren streitenden Gesprächen mit diesem und jenem der älteren Schriftgelehrten der Talmud oft erzählt. Wir erfahren, dass griechische Theatertruppen seit langem ganz Vorder- ( asien durchzogen;19) die schweifenden Redner werden noch weit r mehr diese Strassen beschritten haben. Die jüdische Predigt

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