Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1914
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2273546-2273609--1829-2275616- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
J —->5i — diesjj Art in seinem Leiten bewährte, wie er mit beispiellosem Fleiss seine Predigten aufbaute, und wie er gewaltig auf die Gemeinde einzuwirken verstand, steht vor unser aller Augen und ging als ein geistiges Erbe auf seine Schüler über. Ich möchte seine Art als eine klassizistische bezeichnen. Er legte grossen Wert auf die äussere Form, verstand es aber, der Form einen bedeutsamen Inhalt zu geben und dadurch auch geistig Hochstehende zu fesseln. Bei seinen Predigten musste ich häufig an eine Verordnung denken, die Preussens grösster König, Friedrich Wilhelm I., erlassen hat. Dieser wollte sich über seine Berliner Prediger informieren und ging dalier unerkannt in die Kirchon. Als Ergebnis teilt er in jener Verordnung mit, dass er über die Zerfahrenheit der Predigten dor Berliner Prediger entsetzt sei und daher nunmehr eino Verordnung über das Predigen erlasse. Darnach sollte sich zunächst jeder Prediger die Logik dos Professor Wolff in Halle anschalVon und studieren; kein Prediger sollte ohuo schriftliche Disposition auf die Kanzel gehen dürfen; joder sollte einen bestimmten Satz aus der Bibel seiner Predigt zugrunde legen. Maybaums Art war also gut preussisch ^NTur dass er nicht nur die schriftliche Disposition hatte, sondern die gesamte Predigt bis ins Kloinsto auszuarbeiten pflegte. Auf Maybaum folgte sein Schüler Warschauer. Sein Schüler und doch ein Anderer. Sein Schüler, weil auch er dio strenge Gliederung und den gedankenreichen Aufbau festhält. Ein Andorer, weil im Gegensatz zu der Objektivität, die Maybaum auszeichnete, man bei Warschauer das subjektive Element, soin eigenes Verhältnis zum Gegenstand soiner Rede, doch in erster lteihe herausfühlt. Nichts Menschliches liegt ihm fern, abor auch nichts Göttliches. Auch wenn er an die Dingo des täglichen Lebens herantritt, wenn er an die modernste Entwicklung anknüpft, löst er in durchaus individueller Art das Vorübergehende vom Ewigen, das Vereinzelte vom Allgemeinen los und weiss aus'seiner Persönlichkeit in die Betrachtung so viel hineinzulegen, dass wir aus seinem Wort zugleich seineeigene Seele erklingen hören. Und wie seine Rede uns in jedem Augenblick als der Ausfluss seiner Persönlichkeit erscheint, so 4