Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1914
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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— 55 — glaubt jeder einzelne mit ihm in persönliche Berührung zu kommen. So weiss er den Kontakt, zwischen «ich und der Gemeinde — in gewisser Weise unnachahmlich — herzustellen. Wie er es versteht, den Hörer mit starken Fesseln an sich heranzuziehen, so zieht er mit gleichen Fesseln den Hörer audio väterliche Religion, deren begeisterter Verkünder er ist, heran. Gerade ihm muss es nicht leicht geworden sein, sich im Unterricht der Homiletik auf jene Objektivität zurückzuziehen, die nun einmal für das Lehren der Kunst des Predigens unumgänglich ist. Aber dass er es verstanden haben muss, die Hörer zu begeistern, das beweisen mir die Kundgebungen, die mir aus den Kreisen der Hörer noch bis in die letzte Zeit zugegangen sind, und die deren Schmerz über sein Scheiden zum Ausdruck bringen. Das Kuratorium hat mich beauftragt, auch an dieser Stätte noch einmal seinem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, dass er uns äusserlich verlässt. Innerlich wird er ja der Unsere bleiben. Als Zeichen der Liebe und Verehrung, welche die Lehranstalt allezeit für ihn hegen wird, bitten wir ihn, dio Küste Abraham Geigers, seines grossen Vorgängers, entgegenzunehmen, desson würdiger Nachfolger er gewesen ist. An soino Stelle tritt nunmehr Herr Dr. Baeck. Seino Persönlichkeit zu schildern und dio Erwartungen darzulegen, die er nach seiner Entwicklung, deren Zeugen wir go^vesen sind, und nach seinen bisherigen Leistungen zu erfüllen berufen erscheint, dürfte hier nicht der richtige Platz sein. Das Wort und die Tat gehören nunmehr ihm. Aber unserer Ueberzeugung darf ich Ausdruck geben, dass er, unter voller Bewahrung seiner Eigenart, seinen Vorgängern würdig sein wird, und dass die llotlnungeu, dio wir auf seine Tätigkeit setzen, in Erfüllung gehen werden, Hoffnungen, die ja zugleich Hoffnungen für dio Zukunft des Judentums sind.