Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1912
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 87)
- Language
- German
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— 91 — volle Strom, dessen erste Wogen aber bereits um 600 v. Chr. über den Nordwestrand der Wüste hinweg in das Ostjordanland hinüberspringen. Von dem jüdisch-staatlichen Gesichtswinkel aus ist seit dieser Zeit der Kampf gegen die nabatäischen Araber das eigentliche Ziel der jüdischen Aussenpolitik. Der jüdische Staat verlangt seine natürlichen Grenzen. Im Osten und Westen setzen sie Meer und Wüste. Im Süden und Norden hat König David sie gesetzt: im Süden, soweit das Land sich nicht im Hochplateau verliert, der Hafen von Ezion- Geber, die Verbindung mit dem offenen Meer; im Norden: Damaskus. Wer Damaskus besitzt, besitzt die Herrschaft über die Strasse vom Euphrat zum Nil. Johann Hyrkan hat in Idumäa, Philistäa und Samaria, Aristobul im Südlibanon die Aufgabe erfüllt. Der Burgenbrecher Alexander Jannaios, der ein schlechter Priester, aber ein guter Trinker war, hat trotz der Niederlagen, die er durch die Nabatäer erlitt, Schritt um Schritt den Osten gewonnen, und Salome Alexandra, die kriegerische Königin, wagte den Vorstoss auf Damaskus. Aber die Kraft der von der Masse des Volkes verlassenen Makkabäer war gebrochen, bevor das Ziel erreicht war; und der Schwachkopf Hyrkan führte im Bruderkampfe die Nabatäer selbst in das Land. Das war das Mene Tekel für Rom. Es bedurfte eines Riegels. Schon schweiften die Araber um Damaskus. Die parthische Gefahr konnte leicht verdoppelt werden, und noch unmittelbarer als Parthien gegenüber musste das jüdische Land gegenüber den Arabern die Grenzwehr sein. Das ist die Aufgabe, mit welcher der jüdische Staat in den Körper des römischen Reiches hineinwachsen sollte. Der Staat trug nicht die Aufgabe, sondern die Aufgabe den Staat. Unter Herodes ist er mit ihr von neuem erstarkt. Aber das war nur eine Episode. Die Situation von 63 — zwei unfähige, erbärmliche Prinzen und ein noch unfähigeres, erbärmlicheres Volk — hat die glanzvolle Schöpfung der Makkabäer vernichtet. Die Geschichte ist über den mitleiderweckenden Versuch, das Verlorene wiederzugewinnen, hinweggegangen. Der von der schriftgelehrten Masse des Volkes erbrachte Beweis der Unfähigkeit für das Land zu leben, Hess sich nicht wettmachen