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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1912-01-01 · 1912 · page 86

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1912
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 86)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273605--1717-2275502
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— 90 — den jüdischen Staat verneinen lassen. Nicht die weltpolitische Situation an und für sich, sondern das für Judäa damals geltende Verhältnis der Leistung zur Aufgabe erklärt die römische Politik. — Das ist die Situation: Pompeius in Damaskus. Vor ihm die beiden um die Krone streitenden jüdischen Prinzen. Der eine — Hoherpriester; aber ein waschlappiger Halbidiot, der sich die Tiara über Ohren und Nase zieht, eine Puppe in der Hand des Idumäers Antipater. Der andere jung, feurig, der Erwählte der Soldaten, ein Mann des Schwertes — aber nicht des Rats; in allen Entschlüssen überhitzt, ein Spielball der Laune. Und neben den Prinzen Abgesandte der Schriftgelehrten, der Populären; auch sie beugen vor Pompeius das Knie; aber sie bitten weder um den Krummstab, noch um das Schwert, sondern um die römische Herrschaft. Und wenn dieser innere Kampf aller gegen alle noch nicht hinreichte, so musste ein außenpolitisches Moment, das bereits in die inneren Verhältnisse eingriff, dem Entschluss des Römers die Richtung geben: der Hohepriester Hyrkan hatte kurz zuvor die Krone, die ihm sein feuriger Bruder vom Kopfe gerissen hatte, durch die Hilfe des Nabatäerkönigs Aretas zurückzugewinnen versucht. Eine neue Kraft beginnt, auf die politische Konstellation des vorderen Orients einzuwirken, gleich gefährlich für das römische Reich wie für seine jüdische Sekundogenitur. Wenn ich die geographisch-politische Einheit des vorderasiatischen Tieflands durch die Linie Babylon, Damaskus, Jerusalem, Alexandreia gekennzeichnet habe, so habe ich dabei ein Gebiet übergangen, das nicht politisch, aber geographisch und ethnographisch der Eckstein dieser Einheit ist: Arabien. Die grossen Gebiete der Euphrat-Tigris-Ebene auf der einen, Syriens mit Palästina auf der anderen Seite sind ja nur die schmalen nordöstlichen und nordwestlichen Randleisten der syrischarabischen Wüste. Aus der Wüste haben sich in einer Zeit, die lange vor dem Beginn der hellenistischen Epoche liegt, die babylonischen, kananäischen und aramäischen Volksmassen in die Randländer ergossen. Dann füllte sich das Becken langsam von neuem. Die vierte semitische Völkerwanderung bereitet sich vor. Ihre ersten schwachen Zeichen werden bereits in den Zeiten König Davids sichtbar, Erst unter Muhammed fliesst der

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