Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1912
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 84)
- Language
- German
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— 88 die auf einer politischen Informationsreise durch Judäa kamen, vermittelt. Drei Jahre später bot Juda Makkabi den Römern Freundschaft und Bündnis an. Das sagt alles. Juda verstand seine Zeit. Dreissig Jahre früher hatte Rom gegen Syrien den Todesstoss geführt und unterstützte seitdem die Meinen Mächte, die das verendende Wild zu zerstückeln begannen. Rom stand seitwärts und wartete ab. Auf jeden der Maldcabäerfürsten übertrug es Vertrag und Freundschaft. Johann Hyrkan verlor gegen Antiochos Kyzikenos Joppe und andere Festungen; die Römer geboten dem Kyzikener die Rückgabe. 63 v. Chr. war das Spiel endlich zu Ende. Der letzte und grösste Gegenspieler, Mithradates, hatte es verloren. Rom ergreift unmittelbar Besitz von dem vorderen Orient. In diesem Momente tritt der jüdische Staat aus dem Verhältnis der Freundschaft in das der Klientel zu Rom. Aus diesem Nebeneinander ist die Fragestellung zu entwickeln. Ist ein selbständiges Judäa neben dem römischen Weltreich unmöglich? Und ist Rom das länderfressende Ungeheuer oder liegt in seiner Macht das sittliche Recht? Wir müssen diese Frage aus dem Ganzen der römischen Politik heraus zu beantworten suchen. Der alte Gegensatz zwischen Syrien und Aegypten, welcher dem jüdischen Staate der hellenistischen Zeit Spannung und Leben gebracht hatte; war in der Einheit des römischen Orients aufgelöst. Die Richtungslinie der Politik lief nicht mehr von Kord nach Süd, sondern von West nach Ost. Das politische Problem des römischen Reichs lag im Orient in der parthischarmenischen Grenze. Ich habe den Gegensatz der geographischpolitischen Einheiten des vorderasiatischen Hochlands und Tieflands entwickelt. Das Reich der Seleukiden hatte seine Kraft in dem vergeblichen Bemühen, die Inkongruenz seiner Elemente zu überwinden, verbraucht. Rom erstrebte nicht das Erbe Alexanders. Der Flug seiner Adler ging nicht über den Euphrat. Das römische Weltreich hatte seine Einheit im Mttelmeer. Das Land östlich des Euphrats und weiter nach Norden östlich der armenischen Grenze war ihm nicht Ziel politischer Aspirationen, sondern der Sitz der Gefahr, die das Kulturgebiet bedrohte. Der Gesichtskreis weitet sich über den ganzen asiatischen und