Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1912
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 83)
- Language
- German
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— 87 — den Instinkt der Freiheit und den Willen zur Macht. Für den wäre Syrien aber unverwundbar gewesen, wenn er seinen Angriffspunkt nicht darin gefunden hätte, dass das Reich von innen her zusammenbrach. Der Prozess der neuen jüdischen Staatsbildung ist eine Teilerscheinung in dem Zerfallsprozesse des seleukidischen Reiches. Die Entwickelung läuft parallel. Die durch viele Jahrzehnte hinlaufende Herausbildung der makkabäischen Souveränetät und die territoriale Entwickelung des Staates stehen in innerlich verknüpfter Abwandlung zu dem allmählichen Zusammenbruch des seleukidischen Reiches. Der ägyptisch-syrische Antagonismus hat diese Entwickelung begleitet, hat sie beschleunigt und vertieft. Aber er hat sie nicht mein* beherrscht. Die weltpolitische Situation war eine andere geworden. Rom hielt seine gebietende Hand über dem Orient. Zwanzig Jahre vor dem inakkabälsehen Aufstände hatte das kurze Schwert des Legionars am Sipylos dem syrischen Reiche den Stoss ins Herzblatt versetzt. Noch stand das Reich. Mit grausamer Milde sah Rom seinem Verbluten zu. Aegypten siechte an innerer Schwäche dahin. Das Haus der Ptolemäer erstickte im eigenen Blute. Der dritte hellenistische Grossstaat, Makedonien, war bereits in zwei Kriegen von Rom niedergerungen worden. Noch war er eine Macht. Mit ungebrochenem Wagemute sammelte sein König, Perseus, der letzte des Namens imd der Würde, in den thrakischen Bergen seine Heere. Rom musste sich in Italien gefährdet sehen. In einem dritten Kriege führte es den Todesstoss. In demselben Jahre, in welchem in Judäa der Kampf gegen Syrien begann, verblich auf den blutigen Feldern von Pydna Griechenlands Stern. Das Schicksal des hellenischen Ostens hatte sich erfüllt. Wenn Ihr Mitgefühl finden Ueberwundenen gegen den Sieger Stellung nimmt, so gebieten Sie ihm Schweigen; denn der Klang der römischen Waffen drang von Makedonien her erweckend über das Meer und sang der jungen Freiheit in den jüdischen Bergen ein ehernes Morgenlied. Roms Faust hielt Judäas Geschick. Schon der erste Friede zwischen Juda Makkabi und Lysias, der die Kultfreiheit brachte, wurde von römischen Gesandten,