Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1912
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
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— 81 — ihre Verbindung ging nicht über Judäa hinweg, sondern über die See; welche die handelsgewaltigen Rhodier beherrschten. Noch stärker als früher lag das jüdische Land also im Winkel neben den grossen Verkehrslinien, war aber gleichwohl in die Wirkungssphäre der gewaltigen Wellenschläge jener Colonisationsepoche eingekreist und wurde zu seinem Heile von den starken Spannungen zwischen Aegypten und Syrien mit betroffen. Die auf die politischen Neugestaltungen zurückgehende ökonomische Umgestaltung und der unbegrenzte Horizont von Möglichkeiten schufen rasch die ideelle und materielle Basis für eine intensivere Besiedelung des Landes und der Wanderzug der Zeit tat die persönlichen Bedingungen hinzu. Er führte nicht nur stärkere jüdische Massen in das Land. Ein Kranz griechischer Städte schlang sich im Norden imd im Westen um die jüdischen Siedelungen. Wirtschaftlich, social, kulturell, politisch erwachte der Antagonismus und erzeugte aus sich im Innern des Landes den Auftrieb, der durch die von aussen in das Land eindringenden Kräfte über seine natürliche Entwickelungsmöglichkeit hinaus verstärkt wurde. Die Landereinheit des vorderen Orients hielt die beiden Grossreiche Aegypten und Syrien in enger Umschlingung zusammen. Die gewaltigen Spannungen, welche ihre freundliche oder feindliche Berührung auslöste, gingen herüber und hinüber über das jüdische Land. Das war der Sturm, der den Jahrhundertschläfern den Sand aus den Augen trieb. Wir stehen am ersten Ziel unserer Betrachtung. Die auf hinreichenden wirtschaftlichen Entwickelungsmöglichkeiten aufgebaute völkische Consolidierung ist genetisch aus ihrer allgemeingeschichtlichen Bedingtheit heraus erfasst. Die völkische Consolidierung war die Grundlage des werdenden Staates, der aber auch dann noch nicht spontan erwuchs, sondern in seiner Entstehung und in seinem Bestände ebenfalls aus den den vorderen Orient erfüllenden weltpolitischen Bestrebungen heraus erfasst werden muss. Der Gesichtskreis erweitert sich. Im Hintergrunde des werdenden Makkabäerstaates steht die römische Macht. In den geographischen Bedingungen liegt das politische Problem beschlossen. 6