Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1912
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
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- 80 - Vermählung mit dem Orient, tausendfach empfangend und zehntausendfach gebend. Griechenland hatte sein Amerika gefunden. Der Zwang der engen; für die Volksmassen nicht mehr hinreichenden hellenischen Stadtstaatsverhältnisse, die "wirtschaftlichen und politischen Nöte, die durch Alexanders Züge wundersam angeregte Phantasie, der alte hellenische Wandertrieb und ein ebenso in bezug auf die Elastizität und Kraft wie auf die Mannigfaltigkeit der Ziele erweiterter Tatendrang wiesen zusammenwirkend in die Ferne, und das alte Neuland hiess: der Orient. Was war die Heerdenverwaltung und der Satrapehbetrieb Babyloniens, Assyriens und Persiens gegen die Intensität, die Feinheit und Freiheit hellenischer Staatskunst! Alle Länder wurden mit griechisch-makedonischen Kolonien überschüttet, die überall zu Zentren neu erweckter wü'tschaftlicher Lebenskreise wurden. Die Städte wurden fast durchweg griechisch, auf dem flachen Lande blieb meist die alte Bevölkerung im Uebergewicht, aber auch sie in völlig neuen wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnissen. Der Sieg des Griechentums war ein vollständiger und wurde dadurch nicht gemindert, dass die neuen Staaten sich sofort gegeneinander aufzureiben begannen, teils im Ungestüm ihrer jungen Kraft, teils, was für Syrien gilt, in dem vergeblichen Bemühen, das bunt zusammengewürfelte Länderbündel, aus dem es zusammengesetzt war, zu einem auf eine politische Axe gestützten Einheitsstaat umzugestalten. Das neue Leben muss natürlich auch die Juden, die am kompaktesten immer noch in Babylonien sassen, in seine Wirbel hineingezogen haben. Ueberliefert ist darüber nichts; aber die allgemeinen Bedingungen erwägend und von der Folge auf die frühere Zeit rückschliessend, sehe ich in den 130 Jahren, welche zwischen der Consolidierung des hellenistischen Staatensystems und der makkabäischen Erhebung liegen, alle Vorbedingungen für eine starke Besiedelung Judäas gegeben, die ich in der persischen Zeit vermisste. — Unter allen hellenistischen Staaten hat Aegypten weitaus die stärkste wirtschaftliche Entwickelung gehabt, und als politisch zu Aegypten gehöriges Aussenland musste Judäa natürlich an der Entwickelung teilnehmen. Der grosse Handel traf es zwar nach wie vor nicht. Alexandreia und das neugegründete Antiocheia waren seine Zentren und