Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1912
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
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— 79 — Vorbedingungen fehlten und hätten nicht von innen heraus, sondern nur von aussen her gewonnen werden können, d. h. durch die wirtschaftliche Beeinflussung von Babylonien und Aegypten. Damit stossen wir aher wieder auf einen toten Punkt. Aegypten sank immer mehr, sein Wirtschafts- und Handelsbetrieb ging über die Landesgrenzen nicht mehr hinaus und stand, als ganzes betrachtet, noch tiefer als seine staatliche Existenz. Auch Babylons wirtschaftliche Bedeutung war gesunken, war aber, als ganzes betrachtet, immer noch bedeutend genug, um Babylon gleichwertig neben den neuen persischen Zentren Susa und Ekbatana zu erhalten. Vom iranischen Hochland und von Babylon aus gingen die Handelswege einmal durch das heutige Anatolien über Sardes nach Ephesus und den anderen Städten der jonisch-äolischen Küste und zweitens über Damaskus nach den alten phönikischen Metropolen Sidon und Tyrus. Von hier wurde die Verbindung mit dem Welthandel gewonnen. Judäa war ausgeschaltet. Nur ein Meiner Abfluss führte in das Land. Es lag damals so wenig wie später in den Schnittlinien oder auch nur in den Wegrichtungen des grossen Weltverkehrs, sondern im Winkel daneben, und durch den Niedergang Aegyptens lag es damals sogar ganz ausserhalb des Bereichs der grossen wirtschaftlichen Spannungen. Im Reiche Alexanders hätten sich diese Verhältnisse rasch geändert. Babylon und Alexandreia sollten die Mittelpunkte des neuen Weltreichs sein. Das hätte für Judäa nichts geringeres bedeutet, als gradezu das wichtigste Glied in der Verbindungslinie der beiden Reichshauptstädte zu werden; eine Perspektive von unermesslicher Bedeutung. Aber das Reich Alexanders brach mit seinem Tode zusammen, und die Kämpfe, die in zwanzig langen und blutigen Jahren zur Konsolidierung der neuen Staaten führten, vernichteten für Judäa zunächst alle Keime, welche die persische Ruhezeit und die kurze Periode äusserster und segensreichster Spannungen unter Alexander dem Grossen gezeitigt hatten. Aber nur für kurze Zeit. Die Welt war eine andere geworden. Alexanders Schwert hatte die vom Epheu bunter Träume umsponnene Märchenpforte des Orients nicht nur für den Phalangiten geöffnet; in den Königsschlössern von Persepolis und Babylon feierte vielmehr Hellas selbst seine