Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1912
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
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— 76 — alles andere: überhaupt erst die Möglichkeit einer Bildung des Staates. Es kommt mir nicht darauf an, Geschichte zu erzählen, sondern den Bedingungen des Geschehens nachzugehen und das Ausmass ihrer Wirkungen mit einigen kräftigen Strichen zu zeichnen. Den Anfang bezeichnet das Edikt, durch welches der Perserkönig Cyrus im J. 538 den im Exil lebenden Juden die Rückkehr gestattete; das Ende 600 Jahre später die Vernichtung des letzten Restes einer politisch-religiösen Autonomie durch die Römer. Die grössere Hälfte dieses Zeitraums kennt den jüdischen Staat noch nicht. Und dennoch fällt diese verstaatliche Zeit aus unserer Betrachtung nicht heraus. Denn in ihr sind, langsam wachsend und anschwellend, bereits die Kräfte am Werke, welche von der makkabäischen Zeit an in ihrem Produkte, dem jüdischen Staate, in die Erscheinung treten, und diese Kräfte werden bereits von denselben grösseren weltpolitischen Kraffccentren erweckt, gelenkt und zum Werke gedrängt, welche dann den fertigen Staat beherrschend in ihre Spannungen hineinzogen, ihm den Aufstieg und den Niedergang brachten. Das Problem ist also ein zweigeteiltes. In der niakkabäischen Zeit fassend, müssen wir es in der vorhergehenden und in der folgenden Zeit, in seinen weltpolitischen Wirkungen auf den werdenden und den seienden Staat verfolgen. Der altisraelitische Staat ist aus wilder Wurzel erwachsen. In zwemundertj ähriger Entwickelung hat ihn der Druck von aussen geschaffen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen mit denKananäern und den aus der Wüste nachdrängenden Beduinen hat ihn vorbereitet, die Philistergefahr, weil sie eine dauernde war, ihn geschaffen. Der werdende Staat wird also in Druck und Gegendruck nicht über den von seinem eigenen Landgebiet bestimmten Kreis hmausgeführt. Erst unter dem dritten Könige beginnt der Staat, in die Spannungen der weltpolitischen Mächte hineingerissen zu werden. Anders der werdende jüdische Staat in der hellenistischen Zeit. Bereits den ersten Keim brachte der Windstoss eines weltpolitischen Sturmes in das Land. Das babylonische Reich hatte nur ein Viertel von Vorderasien, die Nordhälffce des Tief-