Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1912
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
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— 74 — Dieses Beispiel gibt den Gesichtswinkel für die Erkenntnis der weltpolitischen Stellung des jüdischen Staates. Sie muss aus den Bedingungen, die das Land bietet, erfasst werden. In eine Formel gebracht, heisst das: Palästina ist weder geographisch noch politisch ein in sich abgeschlossenes, sich selbst bestimmendes Gebiet; seine geographische Funktion innerhalb des Landgebiets, zu welchem es gehört, lässt sich auf einen Ausdruck bringen; und seine weltpolitische Funktion deckt sich mit seiner geographischen. Das Land wächst aus der Einheit des asiatischen Continents heraus. Es ist nicht schwer, die Vorstellung dieses Erdteils an einige knappe Linien zu binden und innerlich zu gliedern. Ich greife zu dem Vergleiche mit dem germanischen Buckelschilde: in der Mitte eine Erhebung, gleichmässige Abstufungen nach den Rändern. Das gilt für drei Seiten des Erdteils. Seine Axe bildet das grosse centralasiatische Gebirgsmassiv. Von diesem neigen sich gleichmässig nach Norden, Osten und Süden ebene, leicht zu gliedernde 'Gebiete, die grossen asiatischen Völkerbecken, zu den Meeresgrenzen hinab. Nur im Westen verändert sich das Bild. Von einem Teil der turkmenischen Steppe abgesehen, neigt sich hier der centralasiatische Gebirgsgürtel nicht zur Ebene, sondern senkt sich nur zu der Stufe des iranischen Hochlands, das sich in reich entwickelter Gliederung der Bandgebirge nach Westen zieht und unmittelbar in das kleinasiatische Hochland übergeht. Damit ist aber nur die Hälfte bezeichnet. Denn nach Südwesten und Süden setzt sich das iranische und das kleinasiatische Hochland in eine breite Zone ebenen Landes um, terminologisch gegliedert in Babylonien- Mesopotamien, Syrien mit Palästina und Arabien. Hochland und Tiefland zusammen bilden Vorderasien, die vierte, westliche Abdachung des centralasiatischen Gebirgsmassivs. Man kann die Einheit des Ganzen durch eine Stufenfolge bezeichnen: das Hochgebirge senkt sich zum Hochland, das Hochland zum Tiefland. Aber diese Bezeichnung wird für das Tiefland dem Wesen der Sache nur zum Teil gerecht und verdunkelt grade den Gesichtspunkt, zu dem ich hinstrebe. Die Teilung Vorderasiens in ein in sich zusammenhängendes, ein?