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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1912-01-01 · 1912 · page 69

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1912
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 69)
Language
German
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IRI
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Weltpolitik — dieses Wort trägt, für unser Ohr, in seinem Echo den Donner der Kanonen. Es ist der unbegrenzte Trieb nach Macht, der uns aus ihm gradezu entgegenschreit. Fast klingts ¥ie ein Scherz, diesen Begriff mit dem kleinen Ländchen in Verbindung zu bringen, das, noch um Va kleiner als die Mark Brandenburg, eng eingeschnürt zwischen Meer und Wüste, sich von den syrischen Bergen zur ägyptischen Grenze hinzieht. — Kleines Land, kleines Volk. — Aber die Politik der Welt wird nicht nur von den Mächten bestimmt, deren Träger der Mensch ist. Land und Volk decken sich als Machtfaktoren nicht; niemals ganz, auch dann nicht, wenn die innere Kongruenz so ausserordentlich angestrebt wird, wie in dem klassischen Beispiel ihrer Höchstentwickelung, in Deutschland. Das offene Feld in der Basler Ecke zeigt ein Zurückbleiben der Staatsentwickelung hinter den von der Landgestaltung gebotenen Möglichkeiten. Und andererseits kann die Seemacht wegen der mangelhaften Küstengestaltung niemals der wirklichen Volkskraft entsprechend entwickelt werden. So treten die Elemente auseinander. Der Massstab der Differenz wächst ungeheuer bei unserem Nachbarn im Osten. Wenn wir nur den europäischen Besitz in Betracht ziehen, so müsste Bussland seiner Kopfzahl nach Deutschland als Machtfaktor um das Doppelte, seiner Landfläche nach um das Zehnfache überlegen sein. Die weitgehende Inkongruenz der Elemente wird hier politisch zu einem Moment der Schwäche. Das Gegenbild zeigt Dänemark. Der kleine Staat ist ein wirkender Faktor der Weltpolitik. Das Volk bedeutet dabei wenig, das Land alles. Denn das Land ist von Nord nach Süd eine Brücke des Völkerverkehrs und zugleich die Schleuse zweier weltpolitische Verbindungen vermittelnder Meere.

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