Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1912
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
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- 66 — Äl)ie Versammlung betrachtet endlich als höchste Aufgabe im Interesse der wissenschaftlichen Erkenntnis des Judentums die Gründung einer oder mehrerer höherer Lehranstalten für die Wissenschaft des Judentums (theologische Fakultät), und stellt sie sich selbst als einen ihrer wesentlichen Zwecke, die allgemeine Beteiligung an der Herstellung und Erhaltung derselben zu wecken. Sie erklärt, dass deren Bedeutung vorzugsweise darin besteht, einePflegstätte der freien wissenschaftlichen Erkenntnis zu sein, berufen, das Judentum in seiner geistigen Macht zu ergründen und ihm seinen berechtigten Einfluss auf die gesamte geistige Entwicklung zu gewinnen. Sie ernennt demnach eine Kommission, welche sich mit den bereits hervortretenden Bestrebungen verbindet, um die Herstelluug solcher höherer Lehranstalten zu verwirklichen"1). — Die „bereits hervortretenden Bestrebungen" beziehen sich auf die Gründung unserer Hochschule, die nur wenige Monate später in die Wege geleitet wurde. Von Anfang an hatte sie in Ludwig Philippson einen teilnehmenden Freund. Als die erste Versammlung zur Beratung der Statuten stattfand, eilte er mitten im Winter von Bonn nach Berlin, um die neue Anstalt tatkräftig zu fördern. Grundlegende Bestimmungen unserer Satzungen verdanken seiner Mitwirkung ihre Entstehung. Der Artikel, welcher die Lehrer der Anstalt verpflichtet, ihre Vorlesungen lediglich im Interesse der Wissenschaft des Judentums zu halten, besteht noch heute in der ihm von Philippson gegebenen Fassung. Seinem weiten Blick für die künftigen Bedürfnisse der Wissenschaft, für die Notwendigkeit des Nachwuchses verdanken wir, was keine ähnliche Anstalt hat, die Möglichkeit der Zulassung von Privatdozenten, die Möglichkeit einer Spezialisierung, einer Vorbereitung für den Lehrberuf. Ludwig Philippson war aber nicht nur ein Mann des Wortes, sondern vor allem ein Mann der Tat, und so war er auch der erste, der zur Fundierung der Anstalt beitrug, indem er die von ihm gesammelten Mittel des Riesserfonds zur Verfügung stellte und ihr erster Stifter wurde. Er wurde auch r) Verhandlungen der I. isr. Synode, Berlin 1869, S. 110.