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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1912-01-01 · 1912 · page 62

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1912
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 62)
Language
German
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— 64 — es war Philippson nicht gegeben, sich ein durchschlagendes eigenes System zu begründen. Vielleicht darf man auch an seinen Schriften wie Kant bei Herder getan, aussetzen, dass sie der „logischen Pünktlichkeit" entbehren1), aber man wird ihn auch wie jenen rühmen müssen, als geistigen Anreger mit einem viel umfassenden Blick und kühnerEinbildungskraft, geschickt im Erwecken von Begeisterung für seinen Gegenstand, der da ist die Verherrlichung des Judentums, die Darstellung der weltgeschichtlichen Bedeutung derjüdisehen Religion. III. Die Stellung Philippsons zur religiösen Bewegung, zur Wissenschaft des Judentums bestimmte seine Teilnahme an der Begründung unserer Hochschule. Die Einrichtung eines solchen Mittelpunktes für alle wissenschaftlichen Bestrebungen, für die geistige Erfassung der jüdischen Religion war seit Jahrzehnten seiner Hoffnungen liebstes Kind; für sie hatte er wiederholt und an entscheidender Stelle das Wort ergriffen. Die innere Gärung im Judentum am Beginn des vergangenen Jahrhunderts hatte die alten Lehrstätten verödet, und ein Ersatz wurde für sie nicht geschaffen. „Unsere Religion ist ohne Lehrstühle, unsere Gemeinden sind ohne Geistliche, unsere Schulen ohne Lehrer, unsere Jünglinge und Kinder ohne Unterricht.* Der bewegten Klage lässt Philippson den Aufruf zur Tat folgen. „Wir bedürfen eines Mittelpunktes für alles. Wir bedürfen einer Anstalt, wo unsere Religion gelehrt, entwickelt und verteidigt wird, wo unsere Lehrer gemeinschaftlich gebildet werden, wir bedürfen eines Herdes für alle unsere Interessen. Nur dann erst ist unsere Religion vor allem Hohne, sind unsere heiligen Schriften vor Unkenntnis und Untergang und wir selbst vor Entartung und Zerwürfnis geschützt. Wir bedürfen einer Fakultät zur Entwicklung und Erhaltung unserer Religion für alle Jahrhunderte, zur Bildung unserer Geistlichen; eines Seminars zur Bildung unserer Lehrer. *) Kants Werke, ed. Hartenstein, IV, 186.

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