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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1912-01-01 · 1912 · page 60

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1912
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 60)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273605--1691-2275476
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— 62 — dann und wann auch auf sie zurück1). Er hat in seiner kleineü Abhandlung „Haben wirklich die Juden Jesu gekreuzigt?"2) eine ruhige und sachliche quellenmässige historische Untersuchung geliefert, deren Ergebnisse wissenschaftliche Anerkennung gefunden haben, die durch ihre weite Verbreitung, durch ihre zahlreichen Uebersetzungen den religiösen Frieden gefördert hat. Hier liegt ein bedeutsamer Hinweis auf Philippsons Eigenart, es war stets ein hoher moralischer Zweck, in dessen Dienst Philippson seine Arbeit stellte. So hat er um die Wissenschaft des Judentums, wenn auch auf anderem Wege als Zunz und seine Mitarbeiter, sich verdient gemacht. Er wurde der Vater der jüdischen Publizistik, er stellte die Spalten seines Blattes den Gelehrten zur Verfügung. Seine Zeitung bildete den Vermittler zwischen den Forschern und dem Publikum, sie setzte die Goldbarren, die jene aus den Quellenschachten hervorholten und herausarbeiteten, in kleine Münze um, sie weckte allseitiges Verständnis für die Wissenschaft und ihre Ergebnisse. In dem „Institut zur Förderung der jüdischen Literatur" schuf Philippson ein Organ, das ausserordentlich nachhaltig für die Verbreitung der jüdischen Literatur gewirkt, das die Brücke von den Schriftstellern zu den Lesern geschlagen und für die Weckung des Verständnisses jüdischer Geschichte und Literatur sich Verdienste erworben hat, deren segensreiche Folgen wir heute dankbar empfinden. Sollte nicht auch diese Richtung Philippsons auf das Praktische, auf die Umsetzung aller Gedanken in T a t stark unter Herders Einfluss sich gebildet haben, der allen schönen Grundsätzen und Gemeinplätzen der Aufklärung das grosse göttliche Werk „Menschheit zu bilden" gegenüberstellt? Nicht durch Schriften wirken wir allein auf die Zukunft, schreibt Herder, vielmehr können wirs durch Anstalten, Reden, Taten, Beispiel und Lebensweise3). „Gute, starke, glückliche Menschen", wie sie Herder wünschte, waren auch Philippsons Ideal, diesem Ziel widmete er einen grossen Tei seiner schriftstellerischen Tätigkeit. *) Vgl. das. 8. 326. 2) II. Aufl. Leipzig 1901. 3) SämtL Werke, XVI, 42.

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